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Einfahrt des weltgrößten Containerschiffs:Pirouette für die Zukunft des Hamburger Hafens

Weltgroesstes Containerschiff macht im Hamburger Hafen fest

Die Marco Polo: Weltgrößtes Containerschiff macht im Hamburger Hafen fest

(Foto: dapd)

Die "Marco Polo" ist ein dicker Kutter und ein Symbol. Die nächtliche Einfahrt des weltgrößten Containerschiffs soll zeigen, dass der Hamburger Hafen zukunftsfähig ist - auch wenn die umstrittene Elbvertiefung erst mal gestoppt ist.

Viele Monate lang haben die Lotsen des Hamburger Hafens am Computer akribisch geübt. Damit das Riesending nicht etwa in die Strandperle am Elbstrand rauscht - das ist der liebste Kiosk der Hamburger - oder gegen eine Hafenkante donnert. Damit das große Kunststück gelingt und kein Unglück passiert. Mit dem Scheitelpunkt der Flut war es in der Nacht zum Mittwoch nach drei Uhr so weit. Erstmals glitt die Marco Polo die Elbe hinauf und nach Hamburg hinein.

Die Marco Polo ist nicht irgendein Kahn. Sie ist das größte Containerschiff der Welt. 396 Meter lang, knapp 54 Meter breit. Ein Koloss, länger als das Empire State Building in New York hoch ist.

Die große Last hatten die Schlepper. Meter für Meter drehten die Lotsenschiffe den riesigen Frachter um seine Achse an der Einfahrt zum Waltershofer Hafen. Dafür braucht es Übung: Schließlich ist der blau gestrichene Pott fast so lang, wie die Fahrrinne der Elbe hier breit ist. Gefragt war eine Pirouette um die eigene Achse.

Es war ein Spektakel, dessen Gelingen für viele Hamburger wichtig war, denn es ging um weit mehr als um die Marco Polo. Es geht um die bange Frage, ob Deutschlands größter Hafen zukunftsfähig ist.

Mitte der 1990er Jahre galten Schiffe mit einer Ladung von 7000 Standardcontainern als das Maß aller Dinge - heute sind Pötte für die doppelte Menge vielfach üblich. Die Marco Polo wurde am 5. November in Dienst gestellt, sie kann bis zu 16.020 Container laden. Damit hält der Besitzer, die französische Reederei CMA CGM, den Weltrekord. Noch. Dutzende solcher Großfrachter sollen bald die Meere befahren. Die nächste Generation ist schon im Bau: Die dänische Reederei Maersk hat Schiffe bestellt, die einmal 18.000 Stahlboxen fassen können.

Das Nachsehen im Wettstreit der Giganten könnte der Hamburger Hafen haben. Denn er hat ein Nadelöhr - und das ist die Elbe. Gut 130 Kilometer müssen die Kähne den Strom hinauf. Doch für die richtig großen Frachter ist die Fahrrinne nicht tief genug. Selbst wenn diese Schiffe bei Höchststand der Flut kommen, dürfen sie nur einen Tiefgang von maximal 13,5 Meter haben. Das reicht aber nicht. Die Marco Polo etwa ragt voll beladen gut 16 Meter in die Tiefe. Sie durfte deshalb nur teilweise beladen anreisen, um nicht stecken zu bleiben.