Ein Vergleich lohntDas besondere Angebot

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Gesetzliche Kassen arbeiten mit privaten Versicherern zusammen. Nicht immer sind die Zusatzpolicen günstig.

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Gesetzliche Krankenkassen machen ihre Mitglieder gern auf besondere Angebote aufmerksam. Das können Gesundheitskurse und Apps sein, Präventionsangebote oder Leistungen der alternativen Medizin. Was auf den ersten Blick erstaunt: Mit zur Palette gehören bei den meisten Kassen auch Policen eines privaten Krankenversicherers (PKV).

Bei den PKV-Unternehmen können gesetzlich Versicherte Leistungen abdecken, die nicht zum Schutz durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gehören. Seit dem Jahr 2004 dürfen GKV und PKV dabei zusammenarbeiten. Die Krankenkassen agieren als Vermittler, sie erhalten von den Privaten eine Aufwandsentschädigung.

Seitdem haben viele Kassen Partner im privaten Lager, mit denen sie bei Angeboten wie der Auslandsreisekrankenversicherung, der Zahnzusatz-, Krankenhauszusatz oder Pflegezusatzversicherung kooperieren. Die Barmer arbeitet mit der HUK-Coburg zusammen, die DAK mit der Hanse Merkur, viele Betriebskrankenkassen mit der Barmenia. Deutschlands größte Kasse, die Techniker Krankenkasse (TK), ist einen Sonderweg gegangen: Der Versicherer Generali hat den privaten Krankenversicherer Envivas gegründet, der ausschließlich Policen für TK-Versicherte anbietet.

Einige Kassen wie die AOK Rheinland/Hamburg hatten versucht, selbst für ihre Versicherten Policen auf den Markt zu bringen. Das hat ihnen aber im Juli 2019 das Bundessozialgericht verboten.

Die Kassen und ihre privaten Partner streichen die Vorteile der Zusammenarbeit heraus. Dazu gehören ein Nachlass auf die Prämien, den der Verbraucherzentrale Bundesverband auf bis zu zehn Prozent beziffert, der Verzicht der Versicherer auf Wartezeiten und Erleichterungen bei der Abrechnung.

Blind verlassen sollte man sich auf die Empfehlung der eigenen Kasse aber nicht. Ein Vergleich mit den anderen auf dem Markt befindlichen Policen lohnt immer, die Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten sind groß. Außerdem verlieren Versicherte die vergünstigten Bedingungen wieder, falls sie die Krankenkasse wechseln.

"Die Kunden sollten genau prüfen: Was bieten die Tarife und passen sie zu mir?", rät Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata in Köln. Der Preisvorteil ist in vielen Fällen nicht so hoch, dass er den Ausschlag geben sollte, sagt Reichl. Die Partner werben damit, dass die Policen für die Versicherten der jeweiligen Kasse maßgeschneidert seien. Das bezweifelt er. "Meistens sind es eins zu eins die Tarife, die die Versicherer ohnehin im Sortiment haben."

Eine Ausnahme sind die Tarife von Envivas, die extra für die TK-Versicherten gebaut wurden. Die Kooperation ermögliche es, passgenaue Lösungen zu fairen Preisen bereitzustellen, sagt Laura Hassinger von der Kasse. "Produkt- und Tarifinnovationen können darüber hinaus im Interesse unserer Kunden schnellstmöglich vorangetrieben werden." Aber auch das heißt nicht, dass ein anderer PKV-Anbieter nicht das individuell bessere Angebot hat.

Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, warnt davor, sich aus Bequemlichkeit für die von der Kasse empfohlenen Policen zu entscheiden. "Man sollte nicht vorschnell das Erstbeste nehmen, nur weil man einfach nur ein Kreuzchen machen muss."

© SZ vom 31.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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