Handelsstreit Trump verhängt 200-Milliarden-Strafzölle gegen China

  • Bereits Ende September sollen die neuen Strafzölle in Höhe von zunächst zehn Prozent in Kraft treten. Anfang kommenden Jahres sollen sie sogar auf 25 Prozent angehoben werden.
  • Damit wäre etwa die Häfte aller Waren, die Amerika aus China einführt, mit Abgaben belegt.
  • Zwar sind auch internationale Konzerne von dem Handelskrieg zwischen den beiden Wirtschaftsmächten betroffen - am stärksten dürfte aber wohl der amerikanische Verbraucher leiden.
Von Jan Schmidbauer

Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt erreicht eine neue Eskalationsstufe: US-Präsident Trump verhängte am Montag Strafzölle in Höhe von zunächst zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar. Diese erste Stufe soll bereits am 24. September in Kraft treten. Damit wäre - nach den bereits gültigen Zöllen auf Tausende andere chinesische Produkte - etwa die Hälfte aller Waren, die Amerika aus China einführt, von Strafabgaben betroffen. Anfang kommenden Jahres sollen die Zölle dann auf 25 Prozent steigen.

China dürfte umgehend kontern. Das Land hatte zuvor mit Gegenzöllen auf Waren im Wert von 60 Milliarden US-Dollar gedroht. Für diesen Fall hat Trump direkt weitere Zölle angedroht: "Falls China Vergeltungsmaßnahmen gegen unsere Bauern oder andere Industrien ergreift, werden wir umgehend Phase drei verfolgen, welche Zölle auf ungefähr 267 Milliarden Dollar an zusätzlichen Importen beinhaltet", hieß es in der vom Weißen Haus verbreiteten Erklärung Trumps.

Strafzölle funktionieren wie eine Steuer. Firmen, die Waren aus Übersee einkaufen, müssen im Hafen einen Aufschlag zahlen. Ökonomen halten das aus mehreren Gründen für schädlich. Zum einen machen Strafzölle die Produkte für Verbraucher und Unternehmen teurer. Zum anderen können sie die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Industrie schwächen. Unternehmen, die mit Einfuhrzöllen vor Konkurrenz aus dem Ausland geschützt werden, wird der Anreiz genommen, die eigenen Produkte zu verbessern.

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Der Streit zwischen China und den USA gefährdet aber auch die Weltwirtschaft insgesamt. In beiden Ländern haben sich viele internationale Konzerne angesiedelt, die von dort Waren in alle Welt exportieren. Erste Unternehmen beginnen bereits damit, Teile ihrer Produktion von China in andere Niedriglohnländer wie Vietnam zu verlagern.

Auch deutsche Firmen leiden

Deutsche Firmen, die Werke in China oder den USA haben, trifft der Handelsstreit ebenfalls. Autokonzerne wie Daimler, die in ihren US-Fabriken Geländewagen für den chinesischen Markt herstellen, müssen bereits teure Aufschläge zahlen, seit die chinesische Regierung Autos aus den USA mit Importzöllen belegt hat.

Am stärksten dürften sich die neuen Zölle aber bei Verbrauchern in den USA bemerkbar machen. Immerhin ein Viertel der etwa 6000 Produkte sind Konsumgüter, darunter Möbel, Elektrogeräte oder Lebensmittel. Für amerikanische Verbraucher dürften solche Produkte bald teurer werden. Bei den vorherigen Strafmaßnahmen gegen China hatte es die Trump-Regierung noch vermieden, Konsumgüter zu bezollen. Angesichts der riesigen Summe, die die US-Regierung nun mit Strafzöllen belegt, lässt sich dies aber kaum noch abwenden.

Die bisherige Liste enthält aber auch Tausende sogenannte Zwischenprodukte, darunter beispielsweise Elektronikteile, die US-Unternehmen in ihren Produkten weiterverarbeiten. Für die Firmen wird der Import deutlich teurer, mittelfristig dürfte es aber auch hier für die Verbraucher teurer werden. Tech-Konzerne wie Apple, Dell oder Hewlett Packard haben die US-Regierung bereits vor steigenden Preisen für Konsumenten gewarnt.

Der Einzelhandelsverband National Retail Federation (NRF) beziffert die zusätzlichen Kosten für amerikanische Kunden auf etwa sechs Milliarden Dollar pro Jahr. "Strafzölle werden China nicht von seinen unfairen Praktiken abbringen", sagte NRF-Vertreter Jonathan Gold bei einer Anhörung vor dem US-Handelsbeauftragen. "Stattdessen drohen sie, die Kosten für amerikanische Haushalte in die Höhe zu treiben und den Lebensunterhalt Tausender amerikanischer Arbeiter zu gefährden."

In der Republikanischen Partei ist das Unbehagen über Trumps Handelspolitik zuletzt ebenfalls gewachsen. Doch bislang sieht es nicht so aus, als würde der Präsident seinen Kurs ändern.

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