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Tarifkonflikt:Lufthansa-Passagiere müssen mit Streiks rechnen

  • Die Lufthansa-Piloten wollen wieder streiken - zum 14. Mal im laufenden Tarifkonflikt.
  • Die Piloten fordern rückwirkend für die vergangenen fünf Jahre ein Gehaltsplus von insgesamt rund 20 Prozent.
  • Der Konzern baut die Billigmarke Eurowings aus, für die deutlich schlechtere Tarifbedingungen gelten.

Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat zu einem erneuten Streik bei der Lufthansa aufgerufen. Der genaue Zeitpunkt des 14. Ausstandes im laufenden Tarifkonflikt soll mit einem Vorlauf von 24 Stunden bekanntgegeben werden, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. Anlass sind die erneut gescheiterten Verhandlungen zu den Gehältern der rund 5400 Flugkapitäne und Co-Piloten bei der Lufthansa-Kerngesellschaft.

Die Lufthansa hatte bis zuletzt versucht, die neuen Streiks abzuwenden und eine erneute Schlichtung vorgeschlagen. Das jedoch lehnte die VC ab, der Tarifvorschlag des Unternehmens sei "nicht schlichtungsfähig." Die Piloten fordern rückwirkend für die vergangenen fünf Jahre ein Gehaltsplus von insgesamt rund 20 Prozent, das entspräche einer jährlichen Steigerung von etwa 3,7 Prozent. Die Forderung sei "nicht unverhältnismäßig, sondern entspricht dem, was alle deutschen Tarifangestellten in dieser Zeit an Lohnanpassung erfahren haben", hieß es bei der Gewerkschaft. Es habe seit mittlerweile fünf Jahren keine Gehaltserhöhungen mehr gegeben, während das Unternehmen etwa fünf Milliarden Euro Gewinn eingefahren habe, sagte VC-Präsident Ilja Schulz.

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Streitthemen Lohn, Altersversorgung - und Eurowings

Die Lufthansa und ihre Piloten befinden sich seit mehr als vier Jahren in einem Dauerkonflikt. Insgesamt 13 Mal hat die VC in dieser Zeit zu Streiks aufgerufen. Zahlreiche Einzeltarifverträge müssen neu verhandelt werden. Der Vergütungstarifvertrag ist beispielsweise bereits im Frühjahr 2012 ausgelaufen. In mehreren Anläufen ist es beiden Seiten bislang nicht gelungen, sich auf neue Bedingungen zu einigen.

Neben der Frage nach den Gehältern sind auch die Themen Altersversorgung und Übergangsrenten nach wie vor ungeklärt. Vor allem aber stehen die Piloten vor dem Problem, dass Lufthansa die Billigmarke Eurowings immer weiter ausbaut, gleichzeitig aber die Flotte der Kernmarke nicht mehr wächst. Die Piloten von Lufthansa fallen unter den sogenannten Konzerntarifvertrag. Bei Eurowings gelten dagegen deutlich schlechtere Tarifbedingungen, bis 2020 sollen die Kosten dort rund 40 Prozent unter denen der Lufthansa liegen.

Trotzdem hatte sich die VC zuletzt beim Thema Eurowings öffentlich mit Forderungen zurückgehalten und die formalen Tarifverhandlungen wieder vorangetrieben. Denn im September 2015 hatten die Lufthansa-Piloten ebenfalls die Arbeit niedergelegt - das Landesarbeitsgericht Hessen hatte ihren Streik aber als unrechtmäßig gestoppt, weil mit der Eurowings-Frage tariffremde Streikziele verfolgt worden seien.

© SZ.de//sry
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