Abgasaffäre Diesel-Razzia bei Opel

  • Ermittler haben Geschäftsräume des Autoherstellers Opel durchsucht. Es gibt einen konkreten Betrugsverdacht im Zusammenhang mit Dieselautos.
  • Opel musste sich im Juli gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt zur Funktionsweise einer Abschalteinrichtung in drei Modellen äußern.
  • Ein Rückruf von rund 100 000 Opel-Fahrzeugen steht nach Angaben des Verkehrsministeriums kurz bevor.

Auch der Autobauer Opel steht nun im Verdacht, die Abgase von Dieselautos illegal geregelt zu haben. Beamte der Staatsanwaltschaft Frankfurt und Polizisten des Landeskriminalamtes Hessen durchsuchten am Montag Räume in der Firmenzentrale in Rüsselsheim sowie im Teilewerk Kaiserslautern. Die Ermittler hegen einen Anfangsverdacht des Betruges, weil Opel möglicherweise Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgassoftware in den Verkehr gebracht habe, erklärte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen. Im Fokus stehen die Modelle Zafira, Cascada und Insignia mit dem eigentlich aktuellen Abgasstandard Euro 6.

Das Unternehmen, das inzwischen zum französischen PSA-Konzern gehört, sprach in einer ersten Stellungnahme von "Untersuchungen im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens zum Thema Emissionen". Zu weiteren Details wollte sich das Unternehmen zunächst nicht äußern. Man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden. Opel-Fahrzeuge entsprächen den geltenden Vorschriften, teilte das Unternehmen weiter mit.

Das KBA will 100 000 Autos zurückrufen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) will in der Sache einen Rückruf anordnen, betroffen seien rund 100 000 Fahrzeuge. Nach Auffinden einer Abschalteinrichtung, die das KBA als unzulässig eingestuft habe, stehe der amtliche Rückruf "kurz bevor", teilte das Bundesverkehrsministerium mit.

Opel musste sich im Juli gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zur Funktionsweise einer Abschalteinrichtung in drei Modellen äußern. Diese Anlagen regeln die Abgasreinigung herunter, Autohersteller begründen die Notwendigkeit häufig mit dem Schutz des Motors. Nach Angaben aus Behördenkreisen waren die Prüfer des KBA allerdings auf eine Abschalteinrichtung gestoßen, deren Zweck sich mit Motorschutzgründen nicht erklären ließ. Es ging damals um rund 60 000 Autos. Ob die Auffälligkeiten mit der heutigen Razzia in Zusammenhang stehen, ist noch unklar.

Die Affäre um erhöhte Abgaswerte von Dieselfahrzeugem begann im September 2015 bei Volkswagen. Der Hersteller musste damals gegenüber den US-Behörden Manipulationen an mehreren Millionen Dieselautos einräumen.

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