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Europäische Zentralbank:Die EZB strafft ihre ultralockere Geldpolitik

Leitet ganz zaghaft das Ende seiner ultralockeren Geldpolitik ein: EZB-Präsident Mario Draghi während der Pressekonferenz der Zentralbank in Frankfurt

(Foto: AFP)
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) läutet das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik ein.
  • Im kommenden Jahr wird die Bank deutlich weniger Staats- und Unternehmensanleihen kaufen als bislang.
  • Ein wirkliches Ende der lockeren Notenbankpolitik ist das aber noch nicht - denn der Leitzins bleibt bis auf Weiteres bei null Prozent.

Es ist nicht das Ende, aber immerhin der Anfang vom Ende: Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt ab dem kommenden Jahr weniger Geld in das Finanzsystem. Das hat EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag verkündet. Die Notenbank will ab 2018 nur noch Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 30 Milliarden Euro monatlich kaufen - und nicht in Höhe von 60 Milliarden Euro wie bislang.

Den Leitzins tastet die EZB hingegen nicht an. Er verbleibt weiterhin bei null Prozent, und das sehr wahrscheinlich sogar bis Ende 2019, wenn die Amtszeit von Mario Draghi endet. Finanzinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken, müssen darüber hinaus weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Draghi gibt sich nach wie vor zögerlich

Seit März 2015 kauft die EZB nun schon im Rahmen ihres sogenannten Quantitative Easing-Programms (QE) den Banken und anderen Finanzinstituten Staats- und Unternehmensanleihen ab. 2,2 Billionen Euro hat die Zentralbank so schon in das Finanzsystem gepumpt. Das Programm sollte eigentlich nur noch bis Dezember laufen - nun hat die EZB es jedoch um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert. Mario Draghi hatte in den vergangenen Monaten mehrmals gewarnt, dass man die Anleihenankäufe nicht einfach so abrupt beenden könne. Erst nach Abschluss der Anleihenkäufe sei dann eine Anhebung des Leitzinses zu erwarten, so Draghi.

Der Präsident der Notenbank gibt sich derart zögerlich und zurückhaltend, weil er sein oberstes Ziel, eine Inflationsrate von zwei Prozent, auf keinen Fall gefährden möchte. Derzeit liegt die Teuerungsrate in der Euro-Zone bei 1,5 Prozent. Draghi befürchtet Turbulenzen an den Börsen, sollte er die Geldpolitik zu früh und zu schnell straffen. Außerdem hemmt die EZB durch eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik eine weitere Aufwertung des Euro, die unerwünscht ist, weil das den Exportsektor belasten könnte.

Kritiker sind der Meinung, Draghi habe den Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm verschlafen. Europas Wirtschaft wächst, doch die EZB pumpt mehr Geld ins System als zu schlimmsten Krisenzeiten - das passt nicht so recht zusammen. Zudem drohen an den Finanzmärkten wegen der Nullzinspolitik gefährliche Preisblasen. Viele Investoren stecken ihr Geld in Aktien und andere riskante Anlagen, weil Zinspapiere kaum noch etwas abwerfen.

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