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Ehemaliger Fed-Chef Ben Bernanke:In wenigen Stunden verdientes Jahresgehalt

Bernanke sits for an onstage interview at the National Economists Club annual dinner at the U.S. Chamber of Commerce in Washington in this file photo

Gerngesehener Gast in Finanzkreisen: Ben Bernanke

(Foto: Jonathan Ernst/Reuters)

Lukrative Dinnerrunden: Ben Bernanke, ehemaliger Chef der mächtigsten Notenbank der Fed, macht seine Erfahrung zu Cash. Die Branche, die er bis vor kurzem beaufsichtigte, zahlt gern.

Die Hedge-Fonds-Manager mochten es kuschelig: Ihr Treffen mit Ben Bernanke im Drei-Sterne-Restaurant "Le Bernardin" in Manhattan war "so intim, dass die Gruppe nur einen der drei privaten Dinnersäle einnahm", schreibt die New York Times ehrfürchtig. Bernanke, ehemaliger Chef der mächtigsten Zentralbank der Welt, dürfte diese Ehrfurcht langsam verlieren. Nach dem Ende seines Jobs an der Spitze der amerikanischen Fed tingelt der 60-Jährige als bezahlter Sprecher und Gesprächspartner durch Hotels und Luxusrestaurants: New York, Johannesburg, Abu Dhabi. Bezahlt wird er dabei vor allem von der Branche, die er bis vor Kurzem mitbeaufsichtigt hat, der er mit seinen Zinssenkungen und Anleihekäufen nach der großen Krise wieder zu Gewinnen verhalf. Bernanke verließ die Fed im Januar nach acht Jahren im Amt.

Damals verdiente er, vom Präsidenten ernannt, 200 000 Dollar im Jahr. Diese Summe nimmt er nun in wenigen Stunden ein, berichtet die Times. Für Auftritte in Asien verlangt er sogar 400 000 Dollar, in diesem Jahr dürfte er demnach Millionen einnehmen. In der Finanzwelt gibt es derzeit wenig begehrtere Redner - jene Jet-Set-Klasse an mehr oder weniger klugen Köpfen-, die auf Dinnern, Konferenzen und anderen Wirtschaftstreffen ihre Gedanken zur aktuellen Lage vortragen und dabei gut bezahlt werden. Denn so ein "Speaker" schmückt ja immer auch den Ausrichter.

Zu Bernankes Gastgebern gehören Private-Equity-Firmen, also Investoren, die mit ganzen Firmen handeln, Banken im Nahen Osten und Handelsverbände. Ihnen erklärt er seine Sicht auf Wachstum und Inflation, die Investoren hoffen, damit die Märkte besser einschätzen zu können. Allerdings trete Bernanke auch manchmal umsonst auf und spende einen Teil seiner Honorare, verkündet seine Sprecherin. Zugunsten einer Menschenrechtsorganisation ließ er vor kurzem ein Dinner mit sich versteigern, dafür kamen 70 500 Dollar an Spenden zusammen.

Revolving door - die Drehtür, durch die Beamte zwischen Regierung und Privatwirtschaft hin- und herwechseln - gilt besonders in der Finanzbranche als ein Problem, als ein Grund für die zahme Aufsicht vor der Finanzkrise, die nicht gegen das hochriskante Treiben vieler Investmentbanker vorging. Und die Abkühlperiode dazwischen, in der Beamte nicht bei bestimmten Unternehmen anheuern und aktive Lobbyarbeit betreiben dürfen, gilt nicht für Auftritte und Reden. Bernanke tut, was ehemalige Top-Beamte gern tun: cash in - Erfahrung im öffentlichen Amt zu Geld machen. Bernankes Vorgänger Alan Greenspan beriet nach dem Ende seiner Amtszeit unter anderem die Deutsche Bank.

Nur Vertrauliches aus seiner Fed-Zeit darf Bernanke nicht verraten - egal wie viel Geld er dafür bekommt. Die Banken UBS und Goldman Sachs verzichteten auf Bernankes weise Worte. Er war ihnen zu teuer. Ihre Mitarbeiter kennen wohl Anlagemöglichkeiten, die sich mehr lohnen.