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Ehemalige Chefs der amerikanischen Notenbank Fed:Herren mit Kultstatus

Alan Greenspan Fed

Er bezeichnete Geldpolitik als "Kunst": der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan

(Foto: Bloomberg)

Die Geschichte der amerikanischen Notenbank ist auch eine Geschichte der großen Lehren. Der aktuelle Fed-Chef Bernanke begründet seine Politik des lockeren Geldes mit den Fehlern seiner Vorgänger in früheren Krisen. Ein Überblick über die Präsidenten der US-Notenbank.

Es war der 6. Oktober 1979, Paul Volcker übernahm an diesem Tag den Chefposten bei der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve. Die USA, in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zur wirtschaftlichen Supermacht aufgestiegen, steckten in der Falle. Inflationsraten bis zu 15 Prozent bei wirtschaftlicher Stagnation zerstörten Firmen und trieben die Arbeitslosenzahlen in die Höhe. Volcker sah nur einen Weg aus der Krise, er musste mit der Politik des billigen Geldes seiner Vorgänger radikal brechen.

William McChesney Martin, von 1951 bis 1970 der am längsten amtierende Fed-Chef, sein Nachfolger Arthur Burns, der später US-Botschafter in Deutschland wurde, und Notenbankpräsident George William Miller, danach Finanzminister unter Präsident Jimmy Carter - sie alle hatten die US-Wirtschaft in den 1960er- und 1970er-Jahren mit billigen Krediten versorgt. Die US-Notenbank fungierte als Büttel der Politik, vor allem die Finanzierung des Vietnamkrieges war teuer. Diese laxe Geldpolitik hatte ihren Preis: Stagflation.

Volcker wusste, dass seine Medizin zunächst wehtun würde, denn er erhöhte den US-Leitzins auf über 20 Prozent. Das war ein Schock für die amerikanische Wirtschaft, die daraufhin zwei kurze und heftige Rezessionen durchlebte. Doch am Ende hatte Volcker alles richtig gemacht und den Grundstein gelegt für die lange Wachstumsperiode in den USA während der 1980er- und 1990er-Jahre.

Die Geschichte der amerikanischen Notenbankpräsidenten ist ein Spiegel der großen Krisen. In der schlimmen Depression der 1930er-Jahre verknappte die Fed das Geld - ein Fehler, wie Ben Bernanke, der amtierende Fed-Präsident, immer wieder betont. Auch deshalb hat Bernanke mit Beginn der Finanzkrise ab 2007 genau das Gegenteil getan und die Geldschleusen weit geöffnet, durch rekordtiefe Zinsen und den Ankauf von amerikanischen Staats- und Hypothekenanleihen: die Notenpresse als Instrument der Revitalisierung schockerstarrter Wirtschaftsakteure.

Greenspans billiges Geld ermöglichte Finanzkrise

Die Geschichte der Fed ist somit auch eine Geschichte der großen Lehren. Mit seiner Geldpolitik hat Bernanke Neuland betreten. Noch nie zuvor hat die Fed so massiv Geld in den Kreislauf gepumpt. Anders als zu Volckers Zeiten ist die Inflationsrate niedrig, doch Bernanke hat angedeutet, dass er den Geldhahn langsam zudrehen möchte - sobald sich die Wirtschaft wieder erholt hat. Bernankes Geldpolitik ist nicht unumstritten. Das viele Geld fließt zum Teil in Spekulationen an der Börse, wo die Kurse stark gestiegen sind. Diese Situation weckt Erinnerungen an Bernankes Vorgänger Alan Greenspan, der sich in seinen besten Zeiten einen Kultstatus erarbeiten konnte.

Greenspan, ein stets schelmisch grinsender Mann mit großer Hornbrille, bezeichnete Geldpolitik als "Kunst", die auch viel mit Kommunikation zu tun hatte. Greenspan gab sich gern kryptisch. Legendär ist folgender Satz von ihm: "Ich weiß, dass Sie glauben, Sie wüssten, was ich Ihrer Ansicht nach gesagt habe. Aber ich bin nicht sicher, ob Ihnen klar ist, dass das, was Sie gehört haben, nicht das ist, was ich meine." Doch hinter dieser Komik verbarg sich eine klare Geldpolitik, denn in seine Amtszeit von 1987 bis 2006 fielen einige Wirtschaftskrisen, die er stets mit niedrigen Zinsen konterte.

Das hatte Folgen: Viele US-Bürger überschuldeten sich durch Immobilienkredite, auch die Börsen wurden ab 2005 zu euphorisch. Greenspan sagte immer, die Fed könne Preisblasen nicht verhindern, sie könne nur nach deren Platzen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Greenspan übersah, dass sein billiges Geld die Finanzkrise erst möglich machte.