Ehec-Epidemie in Deutschland Millionenschwere Hilfen für Bauern beschlossen

Deutschlands Gemüsebauern beklagen seit Beginn der Ehec-Epidemie Umsatzeinbußen von etwa 60 Millionen Euro. Agrarministerin Aigner verspricht schnelle Hilfe. Brüssel verkündet, dass Europas Landwirte insgesamt 210 Millionen Euro Entschädigung bekommen sollen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will die von der Europäischen Union vorgeschlagenen Hilfen für Gemüsebauern schnell umsetzen. Die Gelder sollen zügig und unbürokratisch die deutschen Gemüseproduzenten, die als Folge der Ehec-Epidemie hohe Umsatzverluste haben, erreichen. Das sagte Aigner am Dienstag bei einem Besuch eines Gemüsebetriebs in Reinbek bei Hamburg.

Ilse Aigner besucht Gemüsebauern in Reinbek bei Hamburg: Die Bundeslandwirtschaftsministerin will Hilfen für Gemüsebauern schnell umsetzen.

(Foto: dpa)

Die Ministerin versicherte: "Wir wollen die Landwirte nicht im Regen stehen lassen." Verbandvertreter der Gemüsebauern betonten, die angekündigten EU-Zahlungen seien unzureichend und forderten Nachverhandlungen der Bundesregierung oder zusätzliche Bundesmittel. Auf diese Forderungen ging Aigner nicht näher ein.

Die Vertreter der 27 EU-Länder beschlossen am Dienstagabend in Brüssel, den europäischen Landwirten 210 Millionen Euro Entschädigung zukommen zu lassen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission Zahlungen in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Viele Länder kritisierten die Summe aber als zu niedrig, so dass die Kommission aufgestockt hatte. Nach Aigners Angaben sollen von Umsatzverlusten betroffene Bauern 50 Prozent von dem zurückbekommen, was sie im Durchschnitt in den vergangenen drei Jahren in einem vergleichbaren Zeitraum verdient hätten.

Der Präsident des deutschen Zentralverbandes Gartenbau, Heinz Herker, schätzte die bisherigen Umsatzeinbußen der heimischen Gemüseanbauer seit Beginn der Ehec-Epidemie auf etwa 60 Millionen Euro. Ohne nachgebesserte finanzielle Hilfen würden viele Betriebe nicht überleben können, da das Geld für notwendige Investitionen nicht ausreiche, betonten Herker und Gerhard Schulz vom Bundesausschuss Obst und Gemüse.

Die nationale Umsetzung der beschlossenen EU-Maßnahmen wird laut Aigner bereits vorbereitet. Schon für Juli habe die EU Zahlungen in Aussicht gestellt. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (CDU) betonte in Reinbek, die Länder strebten eine schnelle, bundeseinheitliche Auszahlungsregelung an. In einem ersten Schritt hat sich die Bundesregierung dafür eingesetzt, dass von Umsatzeinbußen betroffene Betriebe zinsverbilligte Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank in Anspruch nehmen können. Dies stoße aber auf wenig Gegenliebe bei den Gemüsebauern, räumte Aigner ein.

Nachdem Aigner am Vormittag einen Gemüsebetrieb in Nürnberg besucht hatte, machte sie sich am Abend in Reinbek ein Bild von der Notlage der Gemüsebauern im Norden. Die Ministerin sprach mit betroffenen Landwirten, Erzeugergemeinschaften und Verbänden. Laut Gartenbau-Verband mussten die Gemüsebauern während der Warnung vor dem Verzehr von rohen Gurken, Salaten und Tomaten täglich bis zu fünf Millionen Euro Umsatzeinbußen hinnehmen. Nach der Aufhebung der Warnung beginnt sich die Lage an den Gemüsetheken im Norden Deutschlands zu normalisieren. Gemüse werde wieder nachgefragt, sagte Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein am Dienstag.