Auf der Webseite der Deutschlandcard ist die Nachricht an diesem Morgen noch nicht angekommen. Noch immer lächelt eine freundliche Frau in die Kamera, zeigt stolz das Smartphone mit dem lila-gelben Logo der Deutschlandcard, darunter das große Versprechen: „Shopping-App für jeden Einkauf? Jep!“ Doch was als Werbung auf der Webseite des Treueprogramms prangt, ist spätestens Ende des Jahres Geschichte. Der Betreiber Bertelsmann nämlich will das Bonusprogramm zum 30. November 2026 einstellen. Warum das so ist und was das für die vielen Millionen Kunden der Deutschlandcard bedeutet.
Wofür nutzen Menschen die Deutschlandcard?
Die Deutschlandcard war lange ein klassisches Bonusprogramm. Die Kundinnen und Kunden konnten sie bei teilnehmenden Händlern vorzeigen und erhielten dafür Punkte, Prämien oder Rabatte. Damit stand die Deutschlandcard in direkter Konkurrenz zu beispielsweise Payback. Eigenen Angaben zufolge nutzten zeitweise mehrere Millionen Menschen die Deutschlandcard. Seit 2025 dann konnten Kunden die Kassenbons von Aldi Nord, Aldi Süd, Rewe, Kaufland, Müller oder Fressnapf scannen und bekamen dafür dann DeutschlandCard-Punkte. Zusätzliche Punkte konnten Kunden über Sonderaktionen, bei Esso-Tankstellen oder beim Internet-Einkauf erhalten. Im Netz arbeitet die Deutschlandcard eigenen Angaben zufolge mit mehr als 500 Online-Shops zusammen.
Ist die Deutschlandcard wirklich eine Karte?
Gestartet war die Deutschlandcard – wie der Name schon vermuten lässt – als Plastikkarte, über die Kunden die Punkte einsammeln konnten. Seit dem 1. März 2025 gibt es keine tatsächliche Karte mehr. Stattdessen läuft alles über eine App. Diese wurde laut Deutschlandcard mehr als elf Millionen Mal heruntergeladen und verzeichnete zuletzt gut 4,5 Millionen monatliche Nutzer.
Warum stellt Bertelsmann das Treueprogramm ein?
Geld verdient das Unternehmen als sogenannter Plattformbetreiber. Das bedeutet, es erhält Geld von den teilnehmenden Unternehmen dafür, dass es Punkte verwaltet, das Einlösen der Prämien abwickelt und zusätzlich Werbung ausspielt. Doch Anfang des Jahres 2025 verlor die Deutschlandcard den „mit Abstand größten Programmpartner“, wie die Firma am Montag mitteilte. Gemeint ist damit Edeka. Die Händler-Genossenschaft wechselte Anfang 2025 zum Konkurrenten Payback.
Sieht es ohne Edeka wirklich so schlimm aus?
Die Einkaufsgenossenschaft ist der größte Lebensmittelhändlerverbund in Deutschland und betreibt mehr als 11 000 Filialen, in denen täglich viele Millionen Menschen einkaufen. Ohne diesen Partner ist den Betreibern zufolge die „Grundlage für dieses Geschäftsmodell“ entfallen. Zwar habe man noch versucht, das Unternehmen neu auszurichten und hat die Datenbasis verbessert, am Produkt gewerkelt und auch das Kampagnenmanagement modernisiert. Ziel dessen war es, die App als „smarten Shoppingbegleiter“ für alle Lebenslagen zu etablieren. Am Ende aber habe es nicht gereicht, schreibt das Unternehmen. Trotz des intensiven Einsatzes sei es nicht gelungen, die Nutzerakzeptanz und die „erforderliche Reichweite“ zu bekommen, die nötig sind, damit sich das Geschäft für die Betreiber finanziell lohnt. Das Unternehmen Deutschlandcard schreibt seit geraumer Zeit so starke Verluste, dass das Management auf absehbare Zeit keine „realistische Möglichkeit“ gesehen hat, die „Verlustzone zu verlassen“. In der Folge hat sich Bertelsmann dazu entschieden, das Payback-Konkurrenzprodukt einzustellen.
Was bedeutet das für die Mitarbeiter?
Betroffen von der Einstellung des Geschäfts ist die Deutschlandcard GmbH. Bei der 2006 gegründeten Münchner Firma, die zu Bertelsmann gehört, sind noch 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Für sie will Bertelsmann eigenen Angaben zufolge eine „sozialverträgliche Lösung“ suchen. Dirk Kemmerer, Chef von Bertelsmann Marketing Services, sagte, die Entscheidung zur Einstellung sei besonders „mit Blick auf das engagierte Team in München äußerst schmerzhaft“. Er lobte den Einsatz des Teams über zwei Jahrzehnte hinweg und betonte, dass das Ende der Deutschlandcard nichts mit der Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun habe. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es jetzt, für die betroffenen Mitarbeitenden Perspektiven und sozialverträgliche Lösungen zu finden.“
Was bedeutet das für Kunden?
Für Nutzerinnen und Nutzer ändert sich erst einmal nichts. Bis Ende Oktober können sie über die Deutschlandcard weiter Prämienpunkte sammeln, die dann in der App verbucht werden. Einlösen kann man die Punkte sogar deutlich länger. Wie ein Sprecher von Bertelsmann der SZ bestätigte, können Kundinnen und Kunden die angesammelten Prämienpunkte auch nach Ende der Deutschlandcard bis mindestens 31. Dezember 2027 einlösen. Möglich ist das unter anderem im Prämien-Shop. Wer dort am Dienstag hereingeschaut hat, konnte im Tausch gegen 3299 Punkte zum Beispiel einen Ultraschallinhalator bekommen – oder 6999 Punkte einlösen und einen Einkaufskorb von Reisenthel erhalten.

