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Preiskampf:Edeka legt sich mit Coca-Cola an

Edeka

Edeka stritt in den vergangenen Jahren mit diversen großen Marken.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)
  • Weil Coca-Cola wohl die Preise erhöhen will, boykottiert Edeka mehrere Produkte des Unternehmens.
  • Bei solchen Preiskämpfen zwischen großen Marken und den Händlern geht es um Marktmacht und viel Geld.

Von Michael Kläsgen

Jetzt also Coca-Cola. Es sieht so aus, als würde sich Edeka jedes Jahr einen der ganz Großen vorknöpfen. 2017 sortierte der größte Lebensmittelhändler in Deutschland die M&M's von Mars aus dem Regal. 2018 boykottierte er monatelang Nestlé, immerhin den größten Nahrungsmittelhersteller der Welt. 2019 mixte Edeka seine eigene Tomatensoße und stellte sie statt Heinz Ketchup ins Regal, bis man sich dann doch wieder einigte. Und jetzt also Cola.

Immer geht's um Geld. Auch diesmal: Coca-Cola, der größte Getränkekonzern der Welt, will die Preise angeblich um acht Prozent erhöhen. Wie reagiert Edeka? Boykottiert einen Teil der Coke-Produkte. Der Brauseriese mischt ja längst nicht nur Cola, sondern hunderte Getränke vom süßen Tee bis zu Energydrinks.

Es fällt aber auf: Edeka prescht nicht so vor wie im Streit mit Nestlé und Heinz. Die Angelegenheit ist heikel. Klar, kann sich der Händler nicht auf die Lieferantenforderung einlassen. Da könnte er schnell alt aussehen. Schließlich kann gut sein, dass die Konkurrenz bessere Konditionen herausschlägt. Denn auch Aldi ist mit dem Getränkehersteller im Gespräch und schraubt seit Monaten kräftig an den Coke-Preisen: Vergangenes Jahr ging es deutlich runter, vor wenigen Tagen dann stark rauf, zehn Cent mehr für die 1,25-Liter-Flasche. Die anderen Discounter zogen sofort mit. Weil Edeka nicht weiß, was die Kollegen von Aldi verhandelt haben, ist die Sache komplex.

Der Bestellstopp ist im Streit zwischen Händler und Industrie so etwas wie die erste Eskalationsstufe. Noch stehen die Regale nicht leer. Ein Edeka-Supermarkt ohne Cola käme beim Verbraucher wohl nicht so gut an. Aber leere Regale bleiben das ultimative Druckmittel. Einzelne Edeka-Regionen, etwa die im Norden, wären wohl bereit, die zweite Eskalationsstufe zu zünden. Sie könnten sich vorstellen auf etwa 120 Artikel, also auf etwa jeden vierten, zu verzichten. Und der Edeka-Discounter Netto wirbt bereits plakativ für die Konkurrenzprodukte von Pepsi.

Coca-Cola streitet sich auch in Frankreich mit Händlern

In der Edeka-Zentrale in Hamburg will sich niemand dazu äußern, um den Streit nicht anzuheizen. Coca-Cola kommuniziert schon. Der Konzern bedauere sehr, sagt ein Sprecher, "dass Edeka sich entschieden hat, vorübergehend das Coca-Cola- Sortiment zu reduzieren und einen Bestellstopp für einen Teil unseres Produktangebots zu verfügen". Man setze aber weiter auf die Partnerschaft, die bisher so erfolgreich war. Derweil baut Coca-Cola Logistik-Standorte in Deutschland ab. Auch ein Druckmittel.

Cola ist eine Großmacht im europäischen Getränkehandel und kann das ausnutzen. Die Lage wird aber für den US-Konzern unübersichtlicher in Europa. In Frankreich musste er Anfang des Jahres im Streit mit Intermarché Les Mousquetaires (Die Musketiere) klein beigeben. Der US-Konzern hatte die Belieferung des Händlers eingestellt, um seine Forderungen durchzudrücken, bis ein Gericht anordnete, die Filialen wieder zu beliefern - zu den alten Konditionen. Bis März sollen Händler und Lieferant eine Lösung finden, verfügte das Gericht.

Intermarché darf bis dahin auf Schützenhilfe aus Deutschland hoffen, von Edeka. Beide Händler gehören dem europäischen Einkaufsbündnis Agecore an. Zusammen kommen die Handelsketten auf einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. So eine Zahl kann auch einen Hersteller von Markenartikeln beeindrucken. Denn Zweck des Bündnisses ist, dass jeder für den anderen kämpft. Scheitern die Gespräche zwischen einem Mitglied und einem Lieferanten, sollen auch die anderen Druck ausüben. Nestlé hat das schon gespürt, ebenso Mars. Edeka kämpft jetzt auch für die Musketiere aus Frankreich.

© SZ vom 31.01.2020/vd
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