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EADS: Tankflugzeuge:Kleiner Traum vom großen Auftrag

EADS hat die Hoffnung auf den Großauftrag aus dem US-Verteidigungsministerium noch nicht aufgegeben. Jetzt sucht das Unternehmen einen genügsamen Partner.

J. Flottau

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will sich nicht um jeden Preis für den Tankerauftrag der amerikanischen Luftwaffe bewerben. "Wir werden kein Dumping-Angebot abgeben", sagte Airbus-Chef Thomas Enders der Süddeutschen Zeitung.

Dies sei nicht zu rechtfertigen, da EADS-Tochter Airbus unter anderem wegen der Zusatzkosten beim Militärtransporter A400M für unverhältnismäßige Preiszugeständnisse keinen Spielraum habe.

Abgabefrist könnte verlängert werden

Das amerikanische Verteidigungsministerium will in einer ersten Tranche 179 Tankflugzeuge für rund 35 Milliarden Dollar kaufen, insgesamt müssen aber mehr als 500 alte Tanker ersetzt werden. Der Auftrag ist einer der größten, den das amerikanische Militär jemals vergeben hat. Nach mehreren gescheiterten Anläufen und Wiederholungen läuft die Abgabefrist für Angebote eigentlich Anfang Mai aus.

EADS-Partner Northrop Grumman, der als Hauptauftragnehmer fungierte, ist vor wenigen Wochen ausgestiegen, offiziell mit dem Hinweis, dass die Ausschreibungskriterien Konkurrent Boeing in unfairer Weise bevorzugen würden.

Der Airbus A330 ist ein deutlich größeres Flugzeug als die Boeing 767, daher ist er auch teurer. EADS hatte kritisiert, dass das Pentagon die zusätzliche Fähigkeiten nicht honoriere, das Verfahren sei auf den kleineren Jet zugeschnitten.

Seit dem Ausstieg Northrops spielt EADS mit dem Gedanken, sich auf eigene Faust zu bewerben. Einen ersten Erfolg konnte der europäische Anbieter dadurch verbuchen, dass das Pentagon mittlerweile den US-Ableger EADS North America mittlerweile als eigenständigen Anbieter akzeptiert.

"Wir werden innerhalb der nächsten zwei Wochen entscheiden, ob wir uns bewerben", so Enders. In diesem Fall müsste EADS einen amerikanischen Lieferanten finden, der die militärische Ausstattung liefern könnte. Airbus würde das Flugzeug, einen Airbus A330, liefern. Derzeit sei er "noch skeptisch", so Enders.

Das Pentagon hat bereits angedeutet, dass es möglicherweise die Frist für die Angebote verlängern will. EADS North America hat darum gebeten, drei Monate mehr Zeit zu bekommen, um sich vorzubereiten. Laut Enders bedeutet das extremen Zeitdruck, denn normalerweise würden Verhandlungen mit Lieferanten über einen so großen Auftrag viel länger dauern.

Hoffnung auf günstigere Ausrüstung

Ein Schlüssel zum Erfolg wird es offenbar sein, inwieweit es EADS North America gelingt, den neuen US-Partner preislich zu drücken. Northrop Grumman hat nach Angaben aus Branchenkreisen eine extrem hohe Gewinnmarge einkalkuliert, weil es an dem Projekt nur einen relativ kleinen Arbeitsanteil hat und weil das Geschäft von geringer strategischer Bedeutung für das Unternehmen war.

Wenn es gelinge, die militärische Ausstattung deutlich günstiger einzukaufen, dann könne EADS womöglich ein Angebot abgeben, das mit dem Boeings mithalten könne, glaubt Enders.

In diesem Fall sei es für das Pentagon nicht ohne Weiteres möglich, das europäische Angebot beiseite zu schieben.

Branchenkreise halten die US-Firmen Raytheon und L3 Communications, beides Spezialisten für Verteidigungselektronik, für denkbare Kandidaten beim Tanker-Projekt. Lockheed Martin gilt als unwahrscheinlichste Variante.

© SZ vom 30.03.2010/hgn

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