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E-Zigaretten:Ausgedampft

E-Zigaretten

Auf den Inhalt kommt es an.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Der US-Hersteller Juul stellt den Verkauf von E-Zigaretten mit Fruchtgeschmack ein. Die Firma kommt damit den Aufsichts­behörden zuvor, die wegen mehrerer Todesfälle Untersuchungen eingeleitet haben.

Von Vivien Timmler

Der umstrittene US-Hersteller Juul hat den Verkauf aromatisierter E-Zigaretten mit Fruchtgeschmack in den Vereinigten Staaten gestoppt. Nachdem das Unternehmen den Vertrieb über den Einzelhandel unter hohem Druck der Aufsichtsbehörden bereits ausgesetzt hatte, stellte es nun vorerst auch den Onlineverkauf über seine Website ein.

Juul kommt damit der amerikanischen Aufsichtsbehörde FDA zuvor, die derzeit wegen einer E-Zigaretten-Epidemie unter US-Teenagern und Todesfällen im Zusammenhang mit den Produkten Maßnahmen vorbereitet. Auch Präsident Donald Trump hatte zuvor schon "sehr strenge" Vorschriften für E-Zigaretten angekündigt und deren Nutzung als "großes Problem" bezeichnet. Juul war vor allem wegen der offensiven Social-Media-Vermarktung seiner Produkte an jüngere Zielgruppen in die Kritik geraten.

Tabakkonzerne vermarkten die E-Zigaretten gerne als perfekte Ausstiegsdroge

Anders als bei traditionellen Zigaretten wird in E-Zigaretten eine meist nikotinhaltige Flüssigkeit erhitzt. Diese verdampft und gelangt durch Inhalieren in die Lunge. Für diese Technik hat sich der Ausdruck vapen (dampfen) eingebürgert. Die Flüssigkeiten enthalten Nikotin, andere Chemikalien - und Geschmacksstoffe. Letztere sorgen dafür, dass E-Zigaretten nach allem möglichen schmecken, aber eben nicht mehr nach Tabak. Mittlerweile vertreibt so gut wie jeder große Tabakkonzern die Produkte, und der Markt wächst: Allein in Deutschland lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 400 Millionen Euro. Obwohl die Tabakkonzerne die E-Zigaretten gern als Ausstiegsdroge vermarktet wird, gilt sie vielen als Einstiegsdroge für Jugendliche. Das gilt insbesondere für die E-Zigarette Juul mit ihrem modernen Design. Während an US-Highschools nur noch sechs Prozent aller Schüler herkömmliche Zigaretten rauchen, dampft dort mittlerweile jeder dritte.

Über die gesundheitlichen Risiken von E-Zigaretten wird indes überall auf der Welt kontrovers diskutiert. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schreibt zwar, die E-Variante sei im Vergleich zu Zigaretten "sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich", rät aber vom Konsum ab. In den USA ist die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit E-Zigaretten mittlerweile auf 26 gestiegen, Hunderte Menschen berichten zudem von Atembeschwerden. Direkt einer Juul-Zigarette zuordnen lässt sich bisher keiner der Fälle, die Behörden sind jedoch alarmiert.

© SZ vom 19.10.2019
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