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E-Mobilität:1000 Euro Anzahlung

Wer ein Elektroauto kauft, muss meist einen Vorschuss zahlen - noch bevor man weiß, was genau man da eigentlich erwirbt.

Als Ferry Porsche Ende der Vierzigerjahre die Idee hatte, einen Sportwagen zu bauen, erhielt er als Erstes eine Abfuhr: Die Banken weigerten sich, das Projekt zu finanzieren. Der Sohn des Porsche-Firmengründers Ferdinand stellte seine Idee daraufhin einigen Autohändlern vor. Die waren begeistert und streckten ihm die notwendigen Mittel für den Start der Produktion des Porsche 356 vor - des Urmodells aller Porsche-Sportwagen.

Heute, ziemlich genau 70 Jahre später, ist es die Porsche-Konzernmutter Volkswagen, die für ein neues Auto Geld einsammelt. Diesmal aber nicht bei den Händlern, sondern bei den Kunden. Wer ein Fahrzeug der Einführungsversion der neuen VW-Elektroreihe ID.3 erwerben möchte, muss sich auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite registrieren - und 1000 Euro Reservierungsgebühr anzahlen.

Dieses sogenannte "Pre-Booking" gebe es erstmals bei VW, erläutert ein Unternehmenssprecher. Durch die Anzahlung entstehe "eine gewisse Verbindlichkeit" bei der Bestellung der Fahrzeuge. VW teste auf diese Weise, wie groß das Kaufinteresse für die E-Autos ist, meint der Duisburger Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer: "Damit lässt sich der künftige Absatz besser einschätzen."

Mehr als 36 000 Reservierungen gebe es für die erste Produktionsserie des Elektrofahrzeugs, das im Sommer 2020 ausgeliefert werden soll, heißt es bei VW. Mit anderen Worten: Die Kunden geben dem Konzern einen Vorschuss für das neue Elektromobil von 36 Millionen Euro. Mit dem Geld arbeite VW aber nicht. Es werde auf einem Konto "zwischengelagert", erklärt der Sprecher. Bis ins Frühjahr können Kunden ihre Bestellung noch stornieren. Wer das Auto kauft, dem wird der Vorschuss auf den Preis angerechnet. Dieser soll bei knapp 30 000 Euro für das Basismodell liegen.

Volkswagen ist nicht der einzige Hersteller, der die Kunden für ein Elektroauto zur Kasse bittet, bevor diese wissen, was sie da genau erwerben. Der Elektrofahrzeug-Pionier Tesla verlangt von den potenziellen Käufern für sein neues Model 3 ebenfalls 1000 Euro Reservierungs-Anzahlung. Und auch bei kleineren E-Mobil-Herstellern wie der Aachener Firma Ego oder dem Münchner Unternehmen Sono Motors gibt es einen solchen Vorschuss: 1000 Euro bei Ego, 500 Euro bei Sono Motors. Die Münchner waren zuletzt in finanzielle Schwierigkeiten geraten und wollen nun über ein Crowdfunding zusätzliche Mittel für die Produktion des E-Autos einwerben.

Auch die branchenüblichen Kunden-Vorschüsse könnten mitunter zur Vorfinanzierung der Produktion dienen, glaubt Experte Dudenhöffer. Denn die Produktion der Elektroautos ist teuer. In erster Linie sieht er darin aber ein Marketinginstrument: Man gebe dem Angebot damit einen exklusiven Anstrich und schätze gleichzeitig den Markt ab. Und der gibt den Elektroautos im Moment offenbar noch Kredit.

Ob dies auch noch funktioniert, wenn die E-Fahrzeuge irgendwann massenhaft produziert werden sollten, ist offen. Dudenhöffer rechnet eher damit, dass künftig umfangreiche Leasing-Modelle und sogenannte Auto-Abos im E-Mobil-Markt stärker werden. Sie bieten Rundum-Servicepakete - von der Versicherung bis zur Wartung. "Sogar der Strom könnte bald mit im Paket drin sein", meint Dudenhöffer. Solche Modelle hätten den Vorteil, dass die Kunden ein Elektrofahrzeug erst einmal ausprobieren können. Schließlich gehe es um eine neue Technologie: "Die Käufer können ja noch schwer einschätzen: Wie lange hält die Batterie oder wie gut kann ich den Wagen später einmal verkaufen?"

Im Moment allerdings scheint das Kaufinteresse für Elektrofahrzeuge ziemlich hoch zu sein. Kein Wunder daher, dass auch Porsche selbst dem Beispiel seines Firmenpioniers Ferry Porsche folgt: Für das Porsche-Elektromodell Taycan sind bei Bestellung 2500 Euro Anzahlung fällig. Die Zahl der Reservierungen soll zwischen 20 000 und 40 000 Stück liegen. Damit käme im günstigsten Fall ein Vorschuss von 100 Millionen Euro zusammen.