Elektromobilität:Ladesäulen-Pflicht für Tankstellen kommt

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Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands en2x befindet sich bei zwei Drittel aller Tankstellen bereits eine Schnellladesäule im Umkreis von 5 Kilometern. (Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Aus Sicht der Bundesregierung kann man bisher an zu wenig Tankstellen E-Autos laden. Sie will die Betreiber nun zum Ausbau zwingen, doch das kommt in der Branche gar nicht gut an.

Die Bundesregierung verpflichtet größere Tankstellen-Ketten zum Aufbau von E-Ladesäulen. Firmen mit mindestens 200 Tankstellen in Deutschland - davon gibt es etwa ein Dutzend - müssen demnach bis 2028 sicherstellen, dass grundsätzlich an jeder Tankstelle mindestens ein öffentlich zugänglicher Schnellladepunkt (mindestens 150 Kilowatt) vorhanden ist. Das Kabinett hat am Mittwoch eine entsprechende Versorgungsauflage beschlossen. Die Regierung geht davon aus, dass so etwa 8000 zusätzliche Schnellladepunkte entstehen.

Zur Begründung heißt es im Gesetzentwurf, der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur an Tankstellen habe zwar bereits begonnen. "Allerdings erfolgt dieser bislang noch nicht flächendeckend und regional heterogen." Für den Ausbau komme Tankstellen eine herausragende Bedeutung zu. "Zum einen stellen Tankstellen mit ihren verkehrsgünstigen Standorten die deutschlandweite Versorgung von Kraftfahrzeugen mit Kraftstoff sicher", heißt es, "zum anderen gelten sie im Alltag als vertraute und attraktive Anlaufstellen."

Tankstellenunternehmen sollten daher neben fossilen Kraftstoffen künftig auch zunehmend Ladestrom anbieten. Ausnahmeregeln gelten, wenn die Firmen im Umkreis von einem Kilometer der Tankstelle bereits eine Ladesäule betreiben. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind mit Stand April von rund 115 000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten in Deutschland gerade einmal knapp 22 000 Schnellladepunkte.

Kritik kommt prompt

Der Mineralölwirtschaftsverband en2x äußerte Kritik an den Plänen. Die Tankstellengesellschaften seien beim Aufbau der Ladeinfrastruktur längst mit vollem Engagement dabei, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Küchen. "Seit Jahren halten sie mit dem bundesweiten Aufbautempo Schritt. Und sie bauen da, wo es am sinnvollsten für E-Autofahrer ist: nicht nur an Tankstellen, sondern auch an Supermärkten, am Straßenrand, zu Hause und am Arbeitsplatz."

Ein Ladesäulenzwang an Tankstellen ist Küchen zufolge "reine Symbolpolitik". "Im besten Fall führt er nur zu mehr Bürokratie, im schlimmsten Fall wäre er dazu noch klimaschädlich. Denn dann müssen teure Schnellladesäulen an Standorten aufgestellt werden, an denen es absehbar nur wenig Nachfrage nach Ladestrom gibt." Und dafür würden dann bessere Standorte vernachlässigt, da man jeden Euro schließlich nur einmal ausgeben könne.

Nach Angaben des Verbands befindet sich schon heute bei zwei Drittel aller Tankstellen in Deutschland eine Schnellladesäule im Umkreis von fünf Kilometern. An etwa 370 Autobahnrastanlagen, also an nahezu 90 Prozent aller Raststätten, stünden 1400 Schnellladepunkte zur Verfügung. Es werde dementsprechend gar nicht unbedingt eine Ladesäule an quasi jeder größeren Tankstellenkette in Deutschland gebraucht.

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