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Dyson:Vom Staubsauger zum Elektroauto

Firmengründer James Dyson stellt Produkte vor. Der Brite will ein Elektroauto auf den Markt bringen.

(Foto: Rob Bennett/AP Images for Dyson)

Das britische Technologieunternehmen Dyson wächst rasant und investiert in die Batterieforschung. Außerdem will es im Markt für Elektroautos mitmischen. Der Motor dafür ist bereits fertig.

Von Björn Finke, London

Alles fing mit einem beutellosen Staubsauger an. Das war 1993. Heute, 25 Jahre später, verkauft das Technologieunternehmen Dyson neben Saugern auch Handtrockner, Föhne, Luftreiniger, Ventilatoren und LED-Lampen. In zwei bis drei Jahren soll sogar ein Dyson-Elektroauto auf den Markt kommen - wahrlich eine sehr breite Produktpalette. Der Mut zur Vielfalt zahlt sich offenbar aus: Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Konzerns aus Malmesbury im Westen Englands um 40 Prozent auf umgerechnet vier Milliarden Euro. Von denen blieb mehr als ein Fünftel als Betriebsgewinn hängen. Seit 2015 hat sich der Umsatz verdoppelt.

In Deutschland ist die Firma, die immer noch der Familie von Gründer und Chairman James Dyson gehört, Nummer eins bei Staubsaugern. Insgesamt wachse das Sauger-Geschäft weiter, aber der Anteil am Umsatz nehme wegen neuer Produkte ab, sagt Sir James, der 2007 zum Ritter geschlagen wurde. Zwei Drittel der verkauften Sauger sind schnurlos. An welchen neuen Produkten Dyson neben Autos arbeitet, verrät der 70-Jährige nicht. "Das ist technologiegetrieben", sagt der Milliardär. Der Konzern forsche an verschiedenen Technologien, und wenn sich daraus ein Produkt ergebe, das besser als bisherige Angebote sei, bringe es Dyson auf den Markt.

Das Unternehmen mit weltweit 11 750 Beschäftigten arbeitet auch an leistungsfähigeren Batterien. Unter anderem forscht Dyson an sogenannten Festkörperbatterien. Der deutsche Rivale Robert Bosch verkündete am Mittwoch, die Entwicklung solcher Energiespeicher einzustellen. Erfinder Dyson setzt dagegen große Hoffnungen auf diesen Ansatz: "Festkörperbatterien sind sehr wichtig für uns, etwa für unser geplantes Elektroauto." 2015 kaufte das Unternehmen ein Start-up, das sich mit der Technik beschäftigt. Dyson investiert eine Milliarde Pfund in Batterieforschung, die Zahl der Mitarbeiter in dem Bereich hat sich 2017 verdoppelt.

Gelingt es den Briten, bessere Batterien zu bauen, könnten sie zu einem gefragten Zulieferer von Autoherstellern werden. Dyson sagt allerdings, er entwickele die Batterien für seine eigenen Elektrogeräte und -autos. Wie weit die Forschung gediehen ist, ob schon die ersten Dyson-Elektrofahrzeuge 2020 oder 2021 mit Festkörperbatterien herumsummen, wollte er nicht verraten. Den Motor für den Wagen hat Dyson bereits fertig gestellt; bis Sommer wird der Konzern über den Standort der Autofabrik entscheiden. Bisher fertigt Dyson in Malaysia, Singapur und auf den Philippinen. Vorstandschef Jim Rowan hat sein Büro in Singapur. Er löste im Oktober den Deutschen Max Conze ab. Conze ging im Streit: Dyson hatte Klage wegen Geheimnisverrats eingereicht, doch im Dezember einigten sich der Manager und die Firma außergerichtlich. Der 48-Jährige wird im Juni Chef der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1.

Die Hälfte der 4450 Ingenieure und Forscher des Familienbetriebs arbeitet im Ausland. Das Elektroauto wird aber in England entworfen. Bisher umfasst das Team 400 Mitarbeiter, 300 weitere werden gesucht. Die Autotüftler ziehen bald in einen neuen Forschungscampus ein - auf einem stillgelegten Luftwaffen-Flugfeld wenige Kilometer südlich der Zentrale.

Ein anderes wichtiges Thema in den Forschungsabteilungen ist künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. "Inzwischen arbeiten mehr Ingenieure an Software als an Hardware", sagt Dyson. In Zukunft kann dann etwa der Saugroboter von alleine erkennen, wann und wo er mal wieder durch die Wohnung brummen muss.

2017 wuchs der Umsatz am schnellsten in Asien, doch auch in Europa nahm er um ein Fünftel zu. James Dyson gehört zu der Minderheit an Managern, die den Austritt des Königreichs aus der EU unterstützen. Der Brexit werde für Dysons Verkäufe auf dem Festland keine Nachteile haben, sagt der Erfinder.

© SZ vom 01.03.2018
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