Deutsche Bank:Das üppige Gehalt des neuen DWS-Chefs

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Deutsche Bank: Eigentlich kommt Stefan Hoops aus dem Investmentbanking, in der Finanzkrise war er bei der Deutschen Bank für den Verkauf komplizierter Finanzprodukte zuständig.

Eigentlich kommt Stefan Hoops aus dem Investmentbanking, in der Finanzkrise war er bei der Deutschen Bank für den Verkauf komplizierter Finanzprodukte zuständig.

(Foto: Peter Kovalev /imago images/ITAR-TASS)

Gerade erst hatten Aktionärsberater die Vergütung des bisherigen DWS-Chefs Asoka Wöhrmann kritisiert. Stefan Hoops, sein Nachfolger an der Spitze der Deutsche-Bank-Tochter, kassiert nun allerdings noch mehr.

Von Meike Schreiber , Frankfurt

Wenn Banker ihre zuweilen recht hohen Gehälter rechtfertigen, verweisen sie gerne auf die Prinzipien der Marktwirtschaft. Ihre Leistung? Ein knappes Gut. Ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg? Immens. Wer das nicht versteht, der hat die Regeln des Marktes eben nicht begriffen.

Dumm nur, wenn ausgerechnet "Kapitalisten", und als solche kann man Aktionärsberater durchaus verstehen, die hohen Gehälter trotzdem kritisieren. Als "exzessiv" bezeichnete unlängst etwa wenig schmeichelhaft die einflussreiche Beratungsfirma Glass Lewis die Vergütung von Asoka Wöhrmann. Bis vor wenigen Wochen war er Chef der börsennotierten Deutsche-Bank-Tochter DWS, der größten deutschen Fondsgesellschaft. Glass Lewis berät weltweit Profiinvestoren dabei, wie sie auf Hauptversammlungen abstimmen sollen. Wöhrmanns auskömmliches Fixgehalt (jährlich 2,4 Millionen Euro plus 4,5 Millionen Euro Bonus) sei deutlich über dem Branchendurchschnitt und nicht zu rechtfertigen, so die Berater. Die Aktionäre sollten auf der Hauptversammlung daher gegen das Gehaltspaket stimmen.

Ohnehin aber war die Hauptversammlung Anfang Juni Wöhrmanns letzter Arbeitstag als DWS-Chef; seinen Job hatte er nach einer Razzia wegen Greenwashing-Verdacht aufgegeben müssen. Und weil er angeblich "freiwillig" zurücktrat, kassiert Wöhrmann sein Gehalt - Stand jetzt - bis Vertragsende weiter, in der Summe wohl fast 14 Millionen Euro. Erst im Frühjahr 2021 hatte der Aufsichtsrat seinen Vertrag vorzeitig bis 2024 verlängert, obwohl die Greenwashing-Vorwürfe da gerade ruchbar geworden waren. Fehlverhalten? Kann ihm die Deutsche Bank, die 80 Prozent an der DWS hält und mit Karl von Rohr den Aufsichtsratschef stellt, bislang angeblich nicht nachweisen.

Deutsche Bank: Er hat seinen Job wegen Greenwashing-Verdachts aufgeben müssen: Der frühere CEO der DWS, Asoka Wöhrmann.

Er hat seinen Job wegen Greenwashing-Verdachts aufgeben müssen: Der frühere CEO der DWS, Asoka Wöhrmann.

(Foto: Friedrich Bungert/SZ)

Die Bezahlung seines Nachfolgers Stefan Hoops allerdings dürfte Glass Lewis nicht minder irritieren. Nach SZ-Informationen verhalf ihm der Aufsichtsrat nun zu einem noch höheren Gehaltsscheck als seinem Vorgänger: 2,8 Millionen Euro Fixgehalt hat sich der 42-Jährige herausverhandelt plus 4,4 Millionen Euro Bonus. Und das, obwohl Hoops höchstens indirekt Ahnung vom Fondsgeschäft hat, dem Kernthema der DWS, das dem Deutsche-Bank-Konzern die stabilen Erträge sichert. Eigentlich kommt Hoops aus dem Investmentbanking, in der Finanzkrise war er bei der Deutschen Bank für den Verkauf komplizierter Finanzprodukte zuständig. 2019 übernahm er die Verantwortung für das Firmenkundengeschäft, das er zur neuen stabilen Säule des Geldhauses ausbauen wollte. Er gilt als Vertrauter von Konzernchef Christian Sewing.

"Vorschusslorbeeren, wofür eigentlich?"

Seine Ziele (kräftiges Ertragswachstum) hat Hoops zwar verfehlt, den roten Teppich rollte ihm die Konzernmutter nun trotzdem aus. "Es gab einen Auswahlprozess unter Einbindung eines Headhunters", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Man sei überzeugt, mit Hoops einen hervorragenden Vorsitzenden der Geschäftsführung gefunden zu haben. Er verfüge über hervorragende Kapitalmarktexpertise, ein tiefes Kundenverständnis und exzellente Führungsqualitäten. Ein DWS-Sprecher sagte, Hoops habe auf eine dort bislang übliche Klausel verzichtet, wonach er freiwillig nach drei Jahren in seinen alten Dienstvertrag hätte zurückkehren können.

Bei Aktionären kommt das Gehaltspaket indes eher mäßig an. "Die Aktie läuft schlecht, aber Hoops bekommt monetäre Vorschusslorbeeren, wofür eigentlich?" fragt man sich bei einem größeren Anteilseigner der DWS. Bei einem anderen größeren Aktionär hieß es: "Das verdient sonst keiner in der Branche. Bemerkenswert." Tatsächlich hat der Aktienkurs der DWS seit einem Jahr mehr als 30 Prozent verloren. Nach der Razzia Ende Mai ging es weiter bergab.

Auslöser für den Kursverfall waren vor allem "Greenwashing-Vorwürfe" der früheren Nachhaltigkeitschefin der DWS, die sich im Sommer 2021 dem Wall Street Journal offenbart hatte. Sie hatte der DWS vorgeworfen, ihre Aktienfonds als nachhaltiger zur verkaufen als sie wirklich sind. Daraufhin hatten mehrere US-Behörden und auch die deutsche Finanzaufsicht Ermittlungen aufgenommen. Was bis zur Razzia Ende Mai unbekannt war: Auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt ermitteln seit Januar 2022 wegen des Verdachts des Prospekt- und Kapitalanlagebetrugs. Die Untersuchung richtet sich gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS, die jegliches Fehlverhalten ihrer Manager bestreitet.

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