Gaskrise:Arbeitgeberpräsident Dulger befürchtet Jobverluste

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Gaskrise: "Wir werden im internationalen Wettbewerb zurückfallen, wenn wir nicht liefern können", sagt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger

"Wir werden im internationalen Wettbewerb zurückfallen, wenn wir nicht liefern können", sagt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Zur Gaskrise komme, dass Material und Fachkräfte fehlten und Lieferketten gestört seien. Er spricht von "massiven Belastungen" und befürchtet, Deutschland könnte "weiter in Richtung Rezession gehen".

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sieht nicht nur wegen der Gaskrise massive Belastungen für die deutsche Wirtschaft und befürchtet Jobverluste. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er: "Die Summe der Belastungen ist groß. Das kann dazu führen, dass wir Betriebe und Arbeitsplätze verlieren." Zur Gaskrise komme, dass Material und Fachkräfte fehlten und Lieferketten gestört seien. "Jeder muss mit einer anderen Art der Belastung umgehen, aber alle sind im Moment mit massiven Belastungen konfrontiert. Diese Situation ist für unsere Wirtschaft und damit für den Wohlstand und für den sozialen Frieden unserer Gesellschaft gefährlich."

Dazu komme, dass einzelne Länder in Europa besonders massiv von einem Gasmangel betroffen wären. "Die Amerikaner, die Chinesen, die Koreaner, die Japaner, die Inder wären nicht in diesem Maße betroffen - das hieße, unsere Konkurrenten, mit denen wir jeden Tag im Wettbewerb stehen, könnten uns im schlechtesten Szenario in aller Ruhe abhängen", sagte Dulger. "Das macht diese multiple Situation um noch einen Faktor komplizierter. Wir werden im internationalen Wettbewerb zurückfallen, wenn wir nicht liefern können", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

"Es bleibt zu befürchten, dass die Verbraucher am Ende durch die Energiepreis-Inflation weniger konsumieren. Dann könnte es in Deutschland weiter in Richtung Rezession gehen." Die deutsche Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal nur ein Miniwachstum. Im Falle eines Gasmangels werden große Schäden für die Wirtschaft erwartet.

Dulger: "Wir befinden uns in einer kritischen Situation"

Durch die Gaspipeline Nord Stream 1 fließt derzeit wegen einer Wartung kein Gas. Mit großer Spannung wird erwartet, ob Russland nach dem für Donnerstag angekündigten Ende der Wartung wieder Gas liefert und wenn ja, wie viel. "Wir müssen abwarten, ob Russland den Gashahn tatsächlich nicht wieder aufdreht", sagte Dulger. Russlands Präsident Wladimir Putin drohte in der Nacht zum Mittwoch damit, dass die Liefermenge durch die Pipeline Nord Stream 1 womöglich deutlich verringert würde.

Putin nutze Gas als geopolitische Waffe, sagte Dulger. "Das dürfte mittlerweile jedem klar sein. Er versucht, möglichst viel Unruhe in die Koalition der Ukraine-Unterstützer zu bringen." Der Süddeutschen Zeitung hatte Dulger vor wenigen Tagen gesagt, Deutschland stehe "vor der größten Krise, die das Land je hatte".

Mit Blick auf die kommenden Monate sagt Dulger nun: "Wir befinden uns in einer kritischen Situation und werden auch den Winter über in einer kritischen Situation sein. Wir müssen unseren Gasverbrauch so gut wie möglich einschränken, so dass wir einigermaßen über den Winter kommen. Die deutschen Unternehmen arbeiten fieberhaft daran. Aber ich bleibe optimistisch: Krise konnten wir in der Bundesrepublik schon immer gut. Wir werden stärker, wenn die Vorzeichen schlecht stehen."

Arbeitsplatz oder ein warmes Zuhause? Nicht "das eine gegen das andere ausspielen"

Großverbraucher wie die chemische Industrie seien bei Prozesswärme auf Gas angewiesen, sagte Dulger. "Das wird unser Hauptproblem sein. Für die Wärme in den Wohnungen sind Alternativen schneller und leichter verfügbar, auch Kohle oder Atomstrom. Aber die Prozesswärme in der Industrie, das kriegt man eben ohne Gas nicht hin. Das sind Prozesse, die man nicht einfach ein- und ausschalten kann", sagte Dulger.

"Das macht uns die größte Sorge: Wenn wegen eines möglichen Gasmangels in ganzen Branchen Arbeitsplätze wegfallen, Produktionsstätten geschlossen werden müssen, keine Löhne mehr gezahlt werden - und dann auch Sozialbeiträge und Steuern nicht mehr fließen. Das trifft uns dann alle hart - und deswegen müssen wir gerade jetzt sorgfältig bewerten, was die richtigen Schritte sind", sagte Dulger. "Eines bleibt Fakt: Wir wollen alle einen sicheren Arbeitsplatz und ein warmes Zuhause - beides ist wichtig für die Menschen in unserem Land. Wir müssen flexible Lösungen finden, so dass wir beides sicher stellen können. Man sollte auf keinen Fall das eine gegen das andere ausspielen."

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