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Dürre in den USA:Die Trockenheit wird sich bis in den August fortsetzen

Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Langzeitprognosen ergeben, dass sich die Trockenheit in den USA bis in den August fortsetzt. Das Landwirtschaftsministerium in Washington warnt: Schon jetzt sind mehr als ein Drittel der Maispflanzen in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Ob in Oklahoma, Kansas, Nebraska oder Arkansas, überall ähneln sich die Bilder: verdorrte Maisfelder, ausgetrocknete Seen, verzweifelte Rancher, die versuchen, ihr Vieh zu verscherbeln, bevor es verendet. Inzwischen wurde in mehr als 1000 Gemeinden der Notstand ausgerufen - auch das ein Rekord.

Erinnerungen an das Dürre-Desaster der dreißiger Jahre

Dabei waren die Farmer so optimistisch, als sie ihr Saatgut ausbrachten. Nach einem milden Winter sprach alles für ein gutes Jahr, sogar eines, das die Getreidespeicher, deren Reserven nach enttäuschenden Ernten zusammengeschrumpft waren, wieder auffüllen würde. Inzwischen werden ganz andere Szenarien durchgespielt. Experten warnen, dass sich das Dürre-Desaster der dreißiger Jahren wiederholen könnte.

Auch in Amerika werden die Ärmsten am stärksten betroffen sein. Jene Familien, die ohnehin unter den Folgen der Finanzkrise und der hohen Arbeitslosigkeit leiden und auf Lebensmittelmarken angewiesen sind. Vor allem Fleisch wird teurer werden - Rinder, Schweine und Geflügel werden in den USA mit Mais gefüttert. Die Dürre entfacht auch die Diskussion um Biosprit neu. Die USA sind neben Brasilien weltweit der größte Produzent von Biokraftstoffen. Fast die Hälfte der amerikanischen Maisproduktion landet inzwischen im Tank und nicht auf dem Teller. Riesige Monokulturen werden dafür bewirtschaftet, mit hohem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Kritische Wissenschaftler warnen seit Jahren, dass dies die Böden überstrapaziert und zu einer ähnlichen Katastrophe führen könnte wie in den 1930er Jahren.

Vielleicht werden ihre Warnungen schon bald ernst genommen. In Washington stoßen sie allerdings bislang auf taube Ohren. Landwirtschaftsminister Tom Vilsack versucht es mit traditionellen Methoden. Statt dafür zu sorgen, dass der Rest der Maisernte dem Zugriff der Raffinerien entzogen wird, sagt er: "Ich falle jeden Tag auf die Knie und bete, dass es regnet."