Dubioser Datenkauf Debeka soll jahrelang mit illegalen Adressen gearbeitet haben

Auf angehende Beamte hatte es Deutschlands größte private Krankenkasse abgesehen: In den 80er- und 90er-Jahren hat die Debeka massenhaft Adressdaten mögliche Kunden gekauft. Das räumte Vorstandschef Laue ein. Nach Informationen des "Handelsblatts" sollen auch Behördenmitarbeiter bestochen worden sein.

Mitarbeiter von Deutschlands größter privater Krankenkasse Debeka haben nach Firmenangaben in den 80er und 90er Jahren massenhaft Adressen möglicher Kunden gekauft. Versicherungsvertreter hätten diese auf eigene Rechnung erworben und untereinander verteilt, räumte Vorstandschef Uwe Laue in einer Pressemitteilung ein und bestätigte damit im Wesentlichen einen Bericht des Handelsblatts. Der Zeitung zufolge ging es um die Daten angehender Beamte.

"Der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik", erklärte Laue, der auch Präsident des Verbands der privaten Krankenversicherung ist. "Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein." Laue, der sein 40-jähriges Berufsleben bei der Debeka verbracht hat, war seit 1994 in führender Funktion im Vertrieb tätig.

Die Debeka arbeitet anders als die meisten Versicherer mit festangestellten Vertriebsmitarbeitern. Nach den Enthüllungen habe sie die 2010 erlassenen Verhaltensrichtlinien für ihre 17.000 Beschäftigten verschärft, teilte das Unternehmen in Koblenz mit. "Eine direkte Weisung lautet: Die Debeka toleriert keinerlei Form der Bestechung und Korruption", hieß es in der Mitteilung.

"Jedem bei der Debeka war klar, dass dieser Adressenkauf illegal war"

Wie die Versicherungsvertreter an die Adressen gekommen sind, ließ die Debeka offen. Die Krankenkasse selbst habe nie Adressen gekauft. Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf ehemalige Mitarbeiter zudem, hohe Vertriebsmanager hätten Behörden-Mitarbeiter bestochen, um an Adressen von Staatsdienern zu kommen, die kurz vor der Verbeamtung standen. Das habe ihnen beim Verkauf privater Krankenversicherungen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Krankenkasse selbst sprach von Adressenhändlern als Quelle: "Die Debeka lehnt Geschäfte mit Adressenhändlern schon immer ab."

Von den 2,2 Millionen Kunden der Krankenkasse sind 1,87 Millionen Beamte und deren Angehörige. Sie hat einen Marktanteil von 25 Prozent in der privaten Krankenversicherung. Die Adressen hätten die Erfolgsquote im Vertrieb deutlich erhöht, berichtete die Zeitung. Woher sie kamen, sei streng geheim gewesen. "Jedem bei der Debeka war klar, dass dieser Adressenkauf illegal war", zitierte sie einen Vertreter.