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Dubiose Pistolenlieferungen nach Kolumbien:Ermittler durchsuchen Waffenfirma Sig Sauer

Der Waffenbauer Sig Sauer ist durchsucht worden. Auslöser der Aktion sind - möglicherweise illegale - Lieferungen von Pistolen an eine berüchtigte Polizeitruppe in Kolumbien, über die die SZ berichtet hatte. Es ist nicht die erste Razzia in der Firma.

Von Jannis Brühl und Frederik Obermaier

Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Firmenräume des deutschen Waffenherstellers Sig Sauer im schleswig-holsteinischen Eckernförde durchsucht. Die Aktion folgt auf einen Bericht von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR vom Mittwochabend, demzufolge das Unternehmen deutsche Behörden getäuscht haben soll, um illegal Tausende Pistolen nach Kolumbien zu exportieren. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Kiel bestätigte am Donnerstagmittag die Durchsuchungen.

Sig Sauer produziert für Sicherheitskräfte auf der ganzen Welt, aber auch für den Zivilmarkt, vor allem den in den USA. Dass Waffen von Sig Sauer bei der kolumbianischen Bundespolizei landeten, löst nun aber einigen Ärger aus. Denn nach Kolumbien lag keine Ausfuhrgenehmigung des Bundesamtes für Ausfuhrkontrolle vor.

Der SZ liegen interne E-Mails und Zeugenaussagen vor, die zeigen, dass innerhalb des Unternehmens offenbar spätestens im Herbst 2010 bekannt gewesen sein dürfte, dass die Waffen in Kolumbien landen würden und ihr Export durchgezogen wurde, obwohl einzelne Mitarbeiter gemahnt hatten, dieser Handel sei "strengstens verboten". Sig Sauer hatte der SZ am Mittwoch mitgeteilt, man habe "kein Fehlverhalten" festgestellt.

Die deutsche Firma Sig Sauer gehört zur L&O Holding der Geschäftsleute Michael Lüke und Thomas Ortmeier aus dem westfälischen Emsdetten. Die Holding hält - neben der Textilproduktion der beiden - auch alle Anteile an der amerikanischen Tochter Sig Sauer USA. Über diese sind die Waffen nach Recherchen von SZ und NDR in Kolumbien gelandet - obwohl auf den Exportdokumenten der US-Zivilmarkt als endgültiges Ziel vorgesehen war. Mit Umweg über die US-Armee landeten die Waffen dann offenbar bei kolumbianischen Behörden. Kolumbien ist enger Verbündeter der Vereinigten Staaten in einem Drogenkrieg, den einige lateinamerikanische Staaten mit brutaler Härte führen.

Schon im Januar war der Sig-Standort Eckernförde durchsucht worden - wegen einer problematischen Lieferung von Pistolen nach Kasachstan. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kiel wurde dieses Ermittlungsverfahren nun um den Komplex Kolumbien erweitert.

In Eckernförde bauen 140 Mitarbeiter Waffen zusammen, ihre Zahl soll Medienberichten zufolge aber auf 80 verringert werden. Denn das Unternehmen will Waffen für den US-Markt vom kommenden Jahr an von der amerikanischen Schwester produzieren lassen.

Das NDR-Politmagazin "Panorama" berichtet an diesem Donnerstag, 3. Juli 2014, um 21:45 Uhr in der ARD über die dubiosen Waffengeschäfte von Sig Sauer.

© SZ.de/leja
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