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Drohende Insolvenz bei Solarworld:Gescheitert an der Billig-Konkurrenz

Gläubigerversammlung Solarworld

Frank Asbeck, der Chef des schwer angeschlagenen Sonnenunternehmens Solarworld

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Vom Bonner Hinterhofbüro zum weltweit führenden Solarkonzern: Der Aufstieg von Solarworld war steil, nun droht dem Solarunternehmen die Insolvenz. Alles hängt von der Zustimmung der Aktionäre zu einem Sanierungsplan ab.

Solarworld-Gründer Frank Asbeck war in den vergangenen Jahren immer da, wenn es um die große Geste ging: Vor fünf Jahren schenkte er dem Papst eine Solaranlage für das Dach der päpstlichen Audienzhalle in Rom. Er bot an, den angeschlagenen Autobauer Opel zu retten und bewahrte Schlösser vor dem Verfall. Zu seinem Markenzeichen machte er den König der Tiere, den Löwen - als Zeichen von unbändiger Kraft.

An diesem Montag in Bonn ging es am Konzernsitz Bonn zwar wieder um die große Geste und um viel Energie. Diesmal allerdings ganz anders, als es der schillernde Solarpionier es gewohnt ist. Denn vom Glanz des einstigen Börsenstars ist nichts geblieben. Asbecks Firma droht der rasante Untergang. In letzter Minute warb er am Dienstag bei Investoren um einen Millionenverzicht. Nur, wenn die Gläubiger Europas größtem Solarkonzern große Teile seiner Schulden erlassen, hat der grüne Konzern überhaupt noch eine Chance.

Erst nach mehrstündigen Verhandlungen fiel die Entscheidung: Die Gläubiger einer 150-Millionen-Euro-Anleihe nickten das Sanierungskonzept ab. Sie verzichten damit auf 55 Prozent ihrer Forderungen und rücken die Rettung des Konzerns in greifbare Nähe. Dennoch bleibt die Lage vorerst bedrohlich. Am Dienstag treffen sich die Gläubiger einer weiteren, 400-Millionen Euro schweren Anleihe. Am Mittwoch müssen auch die Aktionäre dem Plan auf einer Hauptversammlung zustimmen.

Exemplarisch für gesamte Solarbranche in Europa

Verweigert nur ein Gremium seine Zustimmung, sind die Sanierungspläne geplatzt. Solarworld müsste Insolvenz anmelden. Mit der Entscheidung vom Montag gilt eine Annahme des Plans in den weiteren Gremien allerdings als wahrscheinlich. Wie kaum eine andere Firma steht das Bonner Unternehmen für den sagenhaften Aufstieg aber auch den dramatischen Fall der gesamten Solarbranche in Europa.

Binnen zehn Jahren formte Asbeck aus einem Bonner Hinterhofbüro einen der weltweit führenden Solarkonzerne. 1998 gründete er Solarworld, ein Jahr später folgte der Börsengang. Im November 2007 notierte die Aktie bei 48 Euro, zeitweise war das Unternehmen rund fünf Milliarden Euro wert. Doch mit der Expansion chinesischer Konkurrenten, die heute 80 Prozent des hiesigen Marktes beherrschen, kam der tiefe Fall. Die meisten Firmen schrieben Verluste, die Kurse stürzten ab - auch bei Solarworld. Heute kosten die Papiere gerade mal noch 70 Cent.