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Drogeriekonzern Müller:Mit Wetten gegen den Franken verzockt

Das Duell mit Anton Schlecker hat er gewonnen, trotzdem muss Erwin Müller kämpfen: Der Drogeriemarktchef hat viel Geld verloren, hohe Schulden belasten das Unternehmen. Wie konnte es so weit kommen?

Von Max Hägler, Stuttgart, und Silvia Liebrich

Es könnten eigentlich ausnahmslos gute Zeiten sein für Erwin Müller. Das Duell der schwäbischen Drogeriekönige hat er für sich entschieden: Sein ähnlich verschwiegener, aber einst viel größerer Konkurrent Anton Schlecker hat sich verrannt mit seinem Expansionskurs bis zur Insolvenz im vergangenen Jahr. Der umkämpfte Handel mit Drogerieartikeln in Deutschland hat seitdem nur noch drei große Spieler: dm, Rossmann - und eben die Kette Müller aus Ulm, die meist mehrstöckig mit prächtigen Glaspalästen in Bestlagen im Geschäft ist.

Am deutlichsten wird das neue Machtverhältnis am Marktplatz in Ehingen. Dort, am einstigen Hauptstandort von Schlecker, sind die blauen Schilder verschwunden. Am selben Marktplatz hat sich stattdessen seit kurzem eine große, parfümduftende Müller-Filiale etabliert.

Und doch ist die Lage bei Müller finanziell angespannt, wie der Blick in den Konzernabschluss der Müller Holding Ltd. & Co. KG verrät, der im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Demzufolge stand die Gruppe im vergangenen Sommer bei den Banken mit 896 Millionen Euro in der Kreide. Das wollte man dort offenbar nicht einfach so hinnehmen. Nach einem Bericht der Lebensmittel Zeitung haben die Geldgeber vom 80-jährigen Firmengründer Erwin Müller verlangt, dass er seinen Konzern neu ordnet und ein Sicherheitsnetz aufspannt. Diese Forderung hat der als schwierig geltende Patriarch den Angaben zufolge inzwischen erfüllt.

Konzern will aus Fremdwährungsgeschäften aussteigen

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Offenbar hat sich der schwäbische Unternehmer bei Währungswetten übernommen. Bei Spekulationen gegen den Schweizer Franken soll er 235 Millionen Euro verloren haben. Von dem Unternehmen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Zu spüren bekommt Müller aber auch den harten Wettbewerb im Drogeriegeschäft. Zwar konnte der Konzern seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr (Stichtag 30. Juni 2012) steigern: um acht Prozent auf 2,94 Milliarden Euro. 28 neue Filialen eröffnete Müller im zurückliegenden Geschäftsjahr und kommt jetzt auf etwa 670 Filialen in Europa. Viel Umsatz bedeutet im Handel aber nicht zwangsläufig viel Gewinn. Daran hat auch das Ende von Schlecker nichts geändert. 25.000 Beschäftigte bei Müller erarbeiteten zuletzt einen Jahresüberschuss von 112 Millionen Euro.

Trotzdem ist Müller auf der Suche nach Liquidität. Für Entspannung sorgte zwar der Verkauf von Anteilen am Handelskonzerns Douglas. Der Ausstieg bei der Parfümeriekette brachte 162 Millionen Euro in die Kasse. Bei Douglas wurde der eigensinnige Müller ohnehin nur als lästiger Großaktionär gesehen, der sich zu sehr in die Geschicke der Parfümeriekette einmischte. Das Drama fand ein Ende, als der US-amerikanische Finanzinvestor Advent International Ende 2012 bei Douglas einstieg.

Damit dürften Müllers Probleme aber nicht gelöst sein. Hohe Schulden belasten das Unternehmen weiterhin. Die Holding musste im Dezember auch noch einen hohen Konsortialkredit, über fünf Jahre laufend, mit ihren Hausbanken abschließen. Explizit wird im Geschäftsbericht genannt, dass mit dem dreistelligen Millionenbetrag die Währungsgeschäfte abgesichert werden sollen. Zu den Bedingungen der Banken gehörte, dass Müller die in- und ausländischen Töchter transparenter unter dem Dach der Holding ordnet. Immobilien wurden neu bewertet und ein Beirat mit vier externen Vertretern eingerichtet. Zudem steigen neben Müller zwei weitere Führungskräfte in die oberste Managementebene auf. Der Konzern will außerdem sukzessive aus Fremdwährungsgeschäften aussteigen. Die Finanzierung des Unternehmens sei damit für die kommenden Jahre gesichert, heißt es im Bericht.

Immerhin: Im zweiten Halbjahr 2012 lief es erfreulicher für Müller: Nicht nur ein Umsatzplus von neun Prozent vermeldeten die Ulmer, sondern auch einen Anstieg des operativen Ergebnisses.

© SZ vom 15.04.2013/kjan
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