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Dortmunder Weihnachtsmarkt:Der weihnachtliche Kampf ums Überleben

Weihnachtsmarkt

Der 45 Meter hohe Baum des Dortmunder Weihnachtsmarktes im Jahr 2012 - damals noch mit Dfb-Pokal und Meisterschale.

(Foto: dpa)

Deutschlands Weihnachtsmärkte machen jedes Jahr Milliardenumsatz, doch der ist sehr ungleich verteilt. Eine Reportage zwischen Glühwein, Nussknackern und dem großen Geld.

Von Vivien Timmler

Die Händler auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt haben die Geheimniskrämerei perfektioniert. Wie viel Glühwein hier an einem Abend über die Theke geht? Geheim. Wie viel man eigentlich für so einen Stand zahlt, je nach Lage? Geheim. Wer von den Schaustellern immer noch die großen Gewinne macht und wer mittlerweile ums Überleben kämpfen muss? Ebenfalls geheim.

Zumindest fast. Denn die, für die es vielleicht das letzte Jahr auf dem Weihnachtsmarkt ist, weil die Umsätze nicht stimmen, die wollen reden. Einer von ihnen ist Peter Frahm. Seit 30 Jahren verkauft er auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt Holzfiguren, vor allem Nussknacker und Räuchermännchen aus dem Erzgebirge. In diesem Jahr denkt er zum ersten Mal ernsthaft ans Aufhören. "Sagen wir es doch, wie es ist: Bisher läuft es ganz schön scheiße", sagt Frahm.

Nichts ist, wie es scheint

Dabei hält sie sich beharrlich, die Legende vom großen Geld, das sich auf Deutschlands Weihnachtsmärkten verdienen lässt. Mehrere Millarden Euro erwirtschaften alle Märkte zusammen jedes Jahr, allein in Dortmund sind es mehr als einhundert Millionen. Doch die sind sehr ungleich verteilt.

Während Imbissbuden- und Glühweinstandbesitzer in der Weihnachtszeit etwa ein Viertel ihres Jahresumsatzes machen, denken immer mehr Kunsthandwerker ans Aufhören. "Man spürt, dass die Leute für Schönes immer weniger Geld übrig haben", sagt auch Peter Frahm. Allein die Fixkosten aus Standmiete, Weihnachtsmarktbude, Strom und Wasser wieder reinzubekommen sei für manch einen Händler eine Herausforderung.

Was passieren würde, wenn ein Kunsthandwerker nach dem anderen seinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt aufgäbe, möchte sich niemand so wirklich ausmalen. Der Markt würde austauschbarer, als er es ohnehin schon ist. Auf Kurz oder Lang würde er auch den Rest seiner festlichen Atmosphäre einbüßen.

© SZ.de/hgn

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