Doppelspitze Fitschen/Jain Führungsdebatte bei der Deutschen Bank

Nach dem Ackermann-Debakel will man nichts mehr dem Zufall überlassen: Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank berät überraschend über die Zukunft von Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen - nur ein Jahr nach dessen Amtsantritt. Es gibt Zweifel, ob Fitschen in der Doppelspitze ausreichend Gewicht hat.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Es ist erst ein gutes Jahr her, dass die Deutsche Bank eine neue Doppelspitze präsentierte. Doch schon jetzt stellt sich die Führungsfrage für das größte Geldhaus erneut: Aus Aufsichtsratskreisen verlautete, dass sich das Kontrollgremium bei seiner Klausurtagung an diesem Freitag und Samstag mit der Frage beschäftigen will, ob der Vertrag des 65-jährigen Ko-Vorstandschefs Jürgen Fitschen verlängert werden soll. Seit Juni 2012 steht er gemeinsam mit Anshu Jain an der Spitze der Deutschen Bank.

"Wir wollen nicht noch einmal eine chaotische Nachfolge-Debatte erleben, deswegen sollte die Frage früh geklärt werden", sagten mehrere Aufsichtsräte. Fitschens Vertrag läuft noch bis Frühling 2015. Normalerweise werden Verträge ein Jahr vor Ablauf neu verhandelt, doch die Deutsche Bank will nach den schlechten Erfahrungen mit der Debatte um die Nachfolge von Bankchef Josef Ackermann nichts mehr dem Zufall überlassen.

Noch ist offen, wie sich das Aufsichtsgremium gegenüber Fitschen positioniert. Einerseits genießt er hohes Ansehen unter den Kontrolleuren, weswegen die Chancen auf eine Vertragsverlängerung gut stehen. Zugute gehalten wird ihm nicht nur, dass er bei den Mitarbeitern beliebt ist, sondern auch, dass er das Geldhaus und die Branche öffentlich gut vertritt, etwa als Chef des Bundesverbands deutscher Banken (BdB).

Jain halte die Doppelspitze für die richtige Lösung

Aber es gibt auch kritische Stimmen, manche halten ihn für eine "zu klare Nummer zwei". Sie zweifeln daran, ob die beiden Ko-Vorstandschefs wirklich gleichberechtigt sind. Ein stärkeres Gegengewicht zum Investmentbanker Jain würden manche für wünschenswert halten.

Unabhängig von Fitschens Zukunft mehren sich im Aufsichtsrat die Stimmen, die auch weiterhin für eine Doppelspitze plädieren. Immer wieder hatte es geheißen, dass Jain die Bank gern allein führen wolle. Offiziell betonte Jain jedoch stets, er halte die Doppelspitze für die richtige Lösung. Sein Vertrag läuft noch bis 2017, also zwei Jahre länger als der von Fitschen. Dass der 50-jährige Jain das Institut alleine führen könnte, wollen vor allem die Arbeitnehmervertreter nicht. Ihnen ist wichtig, dass die Bank neben dem internationalen Gesicht, das ihr Jain verleiht, auch sichtbar in Deutschland verwurzelt bleibt.

Würde Fitschens Vertrag nicht verlängert, hätte Privatkundenchef Rainer Neske dem Vernehmen nach gute Chancen auf den Ko-Vorstandsvorsitz. Er gilt in der Bank als Integrationsfigur. Daneben wird Personal- und Rechtsvorstand Stephan Leithner ins Spiel gebracht. Auch Finanzvorstand Stefan Krause hätte Chancen. Dass ein Kandidat von außen kommen könnte, wäre für die Deutsche Bank indes eher ungewöhnlich.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner wird nun versuchen, das Thema möglichst geräuschlos zu moderieren. Die Deutsche Bank wollte zu dem Thema keine Stellungnahme abgeben.