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Donald Trump und Deutsche Bank:Heikle Verhandlungen

Donald Trump

Golfplätze dicht, Hotels leer: Das Coronavirus trifft Trumps Familienunternehmen – und damit die Deutsche Bank.

(Foto: Alex Brandon/AP)

Golfplätze dicht, Hotels leer: Das Coronavirus trifft Trumps Familienunternehmen - und damit die Deutsche Bank.

Von Meike Schreiber

Donald Trump hat die Corona-Krise bekanntlich lange unterschätzt, weswegen der US-Präsident den Ausnahmezustand zeitweise schon zu Ostern wieder aufheben wollte. Inzwischen hat er seine Meinung zwar geändert. Vielleicht aber lag der verfrühte Optimismus auch daran, dass Trump auch ganz persönlich von der Krise betroffen ist, zumindest wirtschaftlich. Laut einem Bericht der New York Times befindet sich sein Familienunternehmen, die Trump Organzisation, inzwischen in informellen Gesprächen mit der Deutschen Bank, um bei Zins und Tilgung für Kredite Aufschub zu bekommen. Die meisten Immobilien der Trump Holding, darunter das Golf-Resort Mar-a-Lago, seien geschlossen oder nur zu zehn Prozent belegt. Der Firma, die von seinen Söhnen geführt wird, entgehen derzeit wöchentlich Einnahmen von 680 000 Dollar, hat die Washington Post ausgerechnet. Der Verkauf einer Immobilie in Washington sei gerade im letzten Moment wieder verschoben worden. Auch für die Deutsche Bank wird die Sache wohl Folgen haben. Das größte deutsche Geldhaus war bereits in den Neunzigerjahren zu Trumps Hausbank avanciert, nachdem keine große US-Bank mehr etwas mit Trump zu tun haben wollte. Dessen Kreditbeziehung zur Deutschen Bank ist daher seit seiner Wahl zum Präsidenten ein Dauerthema. Vor Jahren hatte das Geldhaus noch drei Hotels in Washington, Chicago und Miami mit 300 Millionen Dollar finanziert. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf ein Dokument aus 2019 schreibt, schuldet Trump der Deutschen Bank immer noch mindestens 130 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Immobilienprojekten. Trump soll sogar persönlich für die Kredite einstehen. Aus den Rettungspaketen, welches der US-Kongress in der vergangenen Woche verabschiedet hatte, wird sich der Präsident aber nicht bedienen können. Die Demokraten hatten bei den Verhandlungen durchgesetzt, dass Trumps Firmen keinen Anspruch auf Geld aus dem Hilfsfonds von 500 Milliarden Dollar haben. Heikel sind die Kredite daher in jedem Fall für die Deutsche Bank, vor allem jetzt, wenn es Probleme gibt: Setzt die Trump-Firma die Zahlungen aus, müsste sich das Geldhaus eigentlich mit dem US-Präsidenten anlegen und weitere Sicherheiten verlangen. Ist sie zu gnädig, könnte sie unter anderem von den eigenen Aktionären verklagt werden.

Andererseits ist Trumps Firma sicherlich nicht der einzige Kreditnehmer in Schwierigkeiten. Wahrscheinlich muss die Deutsche Bank nun auch anderen großen Immobilienkunden entgegenkommen. Das macht sie zwar weniger verdächtig, Trump eine Sonderbehandlung zu gewähren. Die Sache wirft dennoch ein Schlaglicht auf die Risiken der Deutschen Bank in der Corona-Krise: Nach eigener Aussage ist das Kreditinstitut in den USA einer der größten gewerblichen Immobilienfinanzierer. Wie viel Kredit sie dort vergeben hat, veröffentlicht das Institut allerdings nicht.

© SZ vom 04.04.2020 / Mesc
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