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Discounter:Die Preise sinken - die Wut wächst

Zwölf Mal hatten die Billig-Supermärkte 2009 die Preise gesenkt, 2010 geht es genauso weiter. Die Nahrungshersteller sind empört - und ohnmächtig.

Frühstücksflocken, Pflanzenöle, Nüsse und Schoko-Riegel - alles wird günstiger bei Aldi. Den Preissenkungen beim Marktführer folgen die Wettbewerber in aller Regel unmittelbar: So kündigte Penny denn auch Preissenkungen bei fast 40 Artikeln an. Norma, Netto Markendiscount und Plus zogen ebenfalls mit.

Discounter, dpa

Die Macht des Marktes: Die Verbraucher profitieren von den Preissenkungen im Lebensmittelhandel - die Industrie ächzt.

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Im vergangenen Jahr hatten die Lebensmittel-Discounter insgesamt zwölf Mal die Preise gesenkt. Die Billig-Supermarktketten versuchen damit, ihre Marktanteile auszuweiten. Die Verbraucher profitieren von dem Preiskampf, doch bei den Herstellern ist die Wut groß.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hatte den "ruinösen Preiswettbewerb" im Lebensmitteleinzelhandel erst tags zuvor scharf kritisiert und die "unverzügliche Beendigung" angemahnt.

Die Preissenkungsspielräume durch die günstiger gewordenen Rohstoffe seien "längst ausgereizt" - und die Verbraucher zeigten sich fast unbeeindruckt von den Billigangeboten.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte ebenfalls vor einem Qualitätsverlust bei Lebensmitteln gewarnt. Wenn nur noch der niedrigste Preis regiere, "geht das nicht nur zulasten der Landwirte, sondern früher oder später auch zulasten der Qualität und damit der Verbraucher", sagte sie der Saarbrücker Zeitung.

Laut BVE vertreiben die Billig-Supermärkte 44 Prozent der Lebensmittel in Deutschland. Die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel sei im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Den mittelständischen Lieferanten der Ernährungsindustrie stünden nur noch fünf große Lebensmittelhändler mit einem Marktanteil von 70 Prozent gegenüber.

BVE-Chef Jürgen Abraham erklärte, im Kartellrecht gebe es genügend Mittel, um Monopole und Oligopole zu bekämpfen. "Ich glaube, man muss das, was da ist, anwenden." Das Kartellamt habe offenbar nicht immer alle Problematiken im Blick.

Der Einzelhandelsverband HDE wies den Vorwurf einer einseitigen Nachfragemacht des Lebensmittelhandels zurück. Handel und Hersteller stünden sich gleich stark gegenüber. Das gehe aus einer Studie der Universität Köln und der BBE Retail Experts hervor. Der Lebensmitteleinzelhandel sei als Absatzkanal zwar sehr bedeutsam, aber nicht überragend.

So würden nur 22 Prozent der Gesamtproduktion von Fleisch über den Lebensmitteleinzelhandel vertrieben. Gastronomie, Direktabsatz, Großhandel, Online-Handel und Export seien weitere und wichtiger werdende Absatzmärkte für Erzeuger und Industrie.

Ein Sprecher des Bundeskartellamts erklärte, bislang lägen keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Ernährungsindustrie vor. Auch im Milchgeschäft gebe es keine Indizien für ein wettbewerbswidriges Verhalten des Einzelhandels. Die Behörde räumte jedoch ein, es gebe ein Machtgefälle zulasten der Erzeuger.