Digitalisierung:Die Buchhandlung als Begegnungsstätte

Eine Stärke kleinerer Buchläden ist der enge Kundenkontakt. Skipis vergleicht es mit den Geschäften von früher: Tante Emma, sprich: die Frau hinter der Ladentheke, kannte ihre Kunden und konnte ihnen etwas empfehlen. "Ein immenser Vorteil, den die Buchhändler auch nutzen müssen." Nur diejenigen werden erfolgreich sein, "die dieses Verständnis mitbringen".

Persönlichkeit ist gefragt.

Einer, der damit punkten konnte, ist Thomas Wrensch, der mit seinem Bruder die 1867 gegründete Braunschweiger Buchhandlung Graff mit etwa 100 Mitarbeitern führt. "Wir müssen auch präsent sein, die Kunden haben uns mit der Buchhandlung identifiziert", sagt er. Der Börsenverein führt ihn gerne als ein Musterbeispiel für Erfolgsgeschichten aus dem Buchhandel an. Unter diesem Titel hat der Verein in einem Bändchen Buchhändler versammelt, die zeigen, wie sich klassische Läden behaupten, die sich auch mal gegen die Großen stemmen. So wie Wrensch, dem es mit einem Jazz-Sortiment und weiteren Angeboten gelungen ist, den Umsatzrückgang trotz zweier Filialen der Buchkette Thalia in der Nähe überschaubar zu halten. Ein Thalia-Laden ist mittlerweile sogar wieder verschwunden. Das Gästebuch auf seiner Internetseite weist illustre Gäste aus: Donna Leon, Uwe Timm, gerade war Daniel Kehlmann da. Wrensch nimmt seine Kunden mit auf die Buchmesse, organisiert ein Krimifestival. Können sich kleinere Buchläden den Weg ins Internet überhaupt leisten - und vor allem: Finden sie sich dort auch zurecht?

Skipis lässt diesen Einwand nicht gelten: "Der Verband bietet sehr viele Möglichkeiten", um die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Darunter auch einen Webshop. Gerade verhandelt er mit den Machern der E-Book-Plattform Tolino über eine Beteiligung. Thalia, Weltbild, Hugendubel und Bertelsmann hatten das System im Frühjahr gestartet, um ein Gegengewicht zu Amazon zu bilden, und andere Buchhändler eingeladen mitzumachen. Das Lesegerät Tolino scheint erfolgreich: In der Branche sprechen sie bereits von einem Marktanteil von 30 Prozent.

Für Wrensch ist das Netz unabdingbar: "Wir müssen in unseren Internetauftritt genau so investieren, wie in ein Ladenlokal." Auch der Tolino sei eine Option. "Es sollte aber zu Konditionen sein, die auskömmlich sind. Bisher ist die Spanne zu gering". Die Verhandlungen laufen noch.

Als Sprecher des Sortimenter-Ausschusses im Verband kennt er die Anforderungen kleiner Läden. Die müssten "zu einem bestimmten Thema kompetent werden", sich spezialisieren. "Der Buchhandel wird erfolgreich sein, wenn er kundenorientiert ist und virtuos auf der Klaviatur des Digitalen und des Örtlichen spielen wird", sagt Skipis. Wrensch fasst ganz gut zusammen, was gefragt ist: "Die Buchhandlung muss zur Begegnungsstätte werden. Nur zum Bestellen braucht man sie nicht mehr".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB