bedeckt München 14°

Digitalisierung:Irgendwann "Bummelletzter"

Der Digitalgipfel der Bundesregierung ist erstmals wirklich digital. Und hat sich das Thema Nachhaltigkeit vorgenommen.

Von Markus Balser und Michael Bauchmüller, Berlin

Dienstagfrüh unter der Dusche ging es Peter Altmaier auf. Erstmals ein Digitalgipfel, der rein digital ist, dachte Altmaier. "Das hätte uns auch früher einfallen können." So jedenfalls erzählt es der Wirtschaftsminister von der CDU wenig später, zugeschaltet aus seiner schönen Altbauwohnung. Altmaier ist derzeit in Quarantäne.

Umweltfreundlich ist das Ganze aber auch. Keine weiten Anreisen, keine großen, beheizten Hallen. "Wenn wir unseren Enkeln sagen, dass wir mal für ein Zweistunden-Meeting nach New York geflogen sind", sagt später Achim Berg, Präsident des Branchenverbands Bitkom, "und die uns dann einen Vogel zeigen - dann sind wir noch gut weggekommen." So geht es zu beim ersten Digitalgipfel unter Corona-Bedingungen - und das auch noch zum Thema Nachhaltigkeit. "Je ambitionierter wir digitalisieren, desto nachhaltiger können wir wirtschaften", glaubt Berg.

Die Datenverarbeitung ist ein Stromfresser, warnt die Umweltministerin

Früher habe es immer geheißen, die Energiewende treibe die Digitalisierung voran, sagt auch Altmaier. Inzwischen aber sei es genau umgekehrt, und die Digitalisierung erlaube die bessere Verknüpfung von erneuerbaren Energien mit allen möglichen Anwendungen, und das sehr effizient. "Sie sehen, die Potenziale sind riesig", schwärmt Altmaier.

Nur werden sie auch schnell genug genutzt? Die Bundeskanzlerin hat da ihre Zweifel. Merkel lässt sich auf dem Gipfel Hightech-Erfindungen per Videoschalte vorführen. Sie lobt, dass die Corona-Krise auch bei der Digitalisierung einiges in Gang gebracht hat. Doch sie weiß auch: Der Wandel hat zu wenig Tempo. Die Dringlichkeit der Veränderungen werde in vielen Bereichen noch immer nicht ausreichend erkannt. Deutschland drohe mancherorts "Bummelletzter" zu sein.

Für den internationalen Wettbewerb ist das keine gute Prognose, zumal Merkel davor warnt, dass die Corona-Krise die wirtschaftlichen Verhältnisse verschiebe. Schließlich erlebe China bereits wieder einen Aufschwung. Auch Bitkom-Präsident Berg kritisierte, dass die Regierung bei der Digitalisierung von Bildung und Verwaltung kaum weiterkomme.

Für die Schattenseiten der Digitalisierung ist an diesem Dienstag die Umweltministerin zuständig. So verbrauchten Rechenzentren, Infrastrukturen und Endgeräte Unmengen an Energie, warnt SPD-Frau Svenja Schulze. "Diese Risiken müssen wir in den Griff bekommen, damit die Digitalisierung nicht Teil des Problems, sondern immer ein Teil der Lösung ist."

Klar wird beim Gipfel immerhin eins: Im Haushalt der Kanzlerin werden Probleme noch sehr menschlich und nicht digital gelöst. Ob zu Hause ein Computer ihre Geräte steuert, wird die Kanzlerin gefragt. Die Antwort fällt deutlich aus: "Nein", sagt Merkel, ihre Waschmaschine müsse meist ihr Mann einschalten.

© SZ
Zur SZ-Startseite