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Digitalisierung:Ein Klick zum Helfer

Weil Pflege zunehmend nachgefragt wird, steigt die Zahl der neuen Vermittlungsplattformen. Aber was bringen sie überhaupt?

"Wie können wir ihren Alltag bestmöglich organisieren, was gibt es für Unterstützungsangebote, und was steht uns finanziell zu?" Diese Frage stellten sich Antonia und Nikolaus Albert, als ihre Großmutter pflegebedürftig wurde. Sie standen vor den gleichen Problemen, die viele Angehörige in solch einem Moment haben: Erstens brauchen sie Unmengen Informationen in kurzer Zeit, zweitens schnelle praktische Hilfe.

Die Geschwister haben daraus für sich eine größere Lösung erarbeitet und im Jahr 2015 "Careship" gegründet. An die Plattform können sich Menschen wenden, die akut mit einem Pflegefall zu tun haben. Sie können angeben, was die oder der Angehörige braucht: Nur kleine Hilfe im Alltag oder eine umfassende Pflege? Die Palette an Dienstleistungen reicht von gemeinsamem Kochen über Reisebegleitung und Handwerksarbeiten bis zur Hilfe beim Aufstehen - ein Angebot erhalten Interessenten innerhalb von 24 Stunden.

Das Start-up ist eines von einer stetig wachsenden Zahl an digitalen Angeboten, die auf den zunehmenden Bedarf eingehen, alte Menschen zu Hause zu unterstützen. Dabei sind die Ziele jeweils, den Informationswust zu verringern und eine schnelle, unkomplizierte Lösung zu liefern. Auch die Geschäftsmodelle ähneln sich. Nahezu alle Plattformen sehen sich als "Online-Marktplätze", die vermitteln, gegen Provision. Fest angestellt beim Anbieter sind die Hilfskräfte nur in Ausnahmefällen.

Grob lassen sich die digitalen Angebote in zwei Rubriken einteilen: Die, die sowohl Alltagshilfe als auch Pflegeleistungen vermitteln. Dazu gehört neben Careship beispielsweise auch Pflegix, das 2016 gegründet wurde, schnell wächst und zwischenzeitlich den Mitbewerber Hellocare übernommen hat. Diese Angebote unterscheiden sich vor allem in Details: Während Careship-Helfer von der Firma überprüft und bewertet werden, können Helfer, die über Pflegix im Einsatz sind, zusätzlich "Vertrauenspunkte" sammeln, die sie von den Nutzern der Plattform oder deren Angehörigen erhalten. "Gute und transparente Systeme zur Bewertung der tatsächlichen Pflegeleistung" sind ein Qualitätsmerkmal, sagt Annabel Oelmann von Verbraucherzentrale Bremen.

Einige Anbieter konzentrieren sich allein auf die Pflege. Die Personalbörse Pflegehelden.de vermittelt legal polnische 24-Stunden-Pflegekräfte an Standorte von Heidenheim bis Ostwestfalen-Lippe. Der digitale Pflegedienst Pflegetiger wiederum ist vor allem in Berlin aktiv, versucht dort, vor allem durch kurze Anfahrtswege und sogenannte "Nachbarschaftspflege" guten Service zu leisten, und gehört zum Imperium der Samwer-Brüder.

Große Unterschiede ergeben sich vor allem darin, wer was bezahlt. Bei Careship liegt der Mindeststundensatz bei 25 Euro. Ob aber beispielsweise die Pflegekasse Leistungen übernimmt, hängt von der gebuchten Leistung ab - nicht alles, was die Angehörigen entlastet, gilt als einreichbare Pflegeleistung. "Verbraucher sollten vor allem auf eine transparente Darstellung der Kosten für die Vermittlung durch die Plattform" achten, sagt Verbraucherschützerin Oelmann.

© SZ vom 22.05.2020

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