Digitale Kirche Unser täglich Bot gib uns heute

Der Roboter "BlessU-2" erteilt seinen Segen in sieben Sprachen, sogar im hessischen Dialekt.

(Foto: oh)

Segnungsroboter und Andachts-App: Wie digital sollte sie werden, die gläubige Gesellschaft?

Von Katharina Kutsche

Sonntag wieder nicht in die Kirche gegangen? Kein Problem. Wer gläubig ist, kann sich auch digital religiös vertiefen: mit der Andachts-App des Evangelischen Medienhauses Stuttgart etwa. Als "Impuls für den Tag" können sich Nutzer täglich eine neue Andacht herunterladen oder streamen, als Video-, Audio- oder Textdatei, Motto: "Ich glaub schon". Besonders gelungene Gottesdienste speichert die App im Archiv. Und natürlich gibt es eine Funktion zum Teilen der Andachten - auf dass sie auch andere erbauen mögen, der Glaube lebt ja schließlich von seiner Verbreitung.

Mit der App hat die Evangelische Landeskirche in Württemberg einen digitalen Weg beschritten, den Heinrich Bedford-Strohm nun weiter ausbauen möchte. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte zum Beginn der EKD-Jahrestagung am Sonntag, Internetgemeinden und die digitale Kommunikation spielten eine wachsende Rolle: "Erschließt sich die Kirche den digitalen Raum nicht, verpasst sie einen entscheidenden Lebensraum junger Menschen." Damit ist in der evangelischen Kirche angekommen, was in so ziemlich allen anderen Lebensbereichen bereits hoch- und runterdiskutiert wurde: Wie digital wollen wir sein?

Wirklich groß ist das kirchlich-digitale Angebot bisher nicht. Ja, es gibt Apps, die per Umkreissuche über den nächsten Gottesdienst informieren oder die nächste offene Kirche anzeigen. Und der Papst ist zwar katholisch, aber er twittert. Doch in Zeiten, in denen der EKD allein im vergangenen Jahr 350 000 Follower, Pardon, Anhänger, verloren gingen, reichen ein paar kluge Anwendungen nicht aus. Gottesdienste per Facebook, Predigten im Whatsapp-Chat, Bilder der Altar-Deko auf Instagram - wer junge Leute da abholen möchte, wo sie vor dem Smartphone sitzen, muss auch in sozialen Netzwerken präsent sein. Nur bedeutet das auch, sich mit den Konsequenzen zu beschäftigen.

So diskutierten die Teilnehmer der EKD-Synode Sonntagabend zumindest kurz, wie weit kirchliche Algorithmen gehen dürften. Digital kommunizieren, gar digitale Gemeinden zu schaffen, heißt auch, Daten zu sammeln. Die mögen zwar in der geistlichen Betreuung hilfreich sein, aber das ausgesprochen weltliche Datenschutzgesetz gilt nun mal auch für religiöse Anwendungen. Dass es im Internet eine große Nachfrage nach Sinn und Glauben gibt, zeigen schon die vielen spirituell-angehauchten Spruchtafeln, die in den Facebook-Timelines aufleuchten. Trotzdem bleibt die Frage, wie sehr die Gläubigen bereit sind, sich digitaler Technik zu öffnen. Besonders an der Kirche ist schließlich der persönliche Kontakt innerhalb der Gemeinden. Da ist es wenig überraschend, dass das Echo auf einen Segnungsroboter, der auf der Weltausstellung der Reformation 2017 in Wittenberg gezeigt wurde, geteilt ausfiel. Der Roboter "BlessU-2" wählte aus 16 Bibelsprüchen aus, mit denen er in sieben Sprachen und mit Männer- oder Frauenstimme seinen Segen erteilte. Regelmäßige Kirchgänger hätten gegen den digitalen Geistlichen größere Vorbehalte gehabt als Menschen, die sonst weniger mit der Kirche zu tun haben, sagte der zuständige Projektleiter damals der dpa.

Die Teilnehmer der EKD-Tagung diskutieren noch bis Mittwoch, wie sie gegen den Mitgliederschwund vorgehen können, digital wie analog. Ihr Schwerpunktthema: "Zukunft auf gutem Grund".