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Digitale Datenflut:Warum wir Big Data verstehen müssen

"Mit freundlichen Drüsen"? Dass das falsch ist, haben Computer gelernt. Doch bei Big Data geht es um Ernsteres: um Freiheitsrechte.

Der Daten-Tsunami rollt: Wer in einem entwickelten Land lebt, zieht einen Kometenschweif an Daten hinter sich her. Mobiltelefone, Fitnessbänder und smarte Uhren, vernetzte Navigationsgeräte und Autos, Surfspuren im Internet und die Einträge in sozialen Netzwerken - die Liste wird ständig länger.

Und es ist erst der Anfang.

Schon bis 2020, prognostiziert das Beratungsunternehmen Gartner, könnten 25 Milliarden Geräte untereinander vernetzt sein - in weniger als fünf Jahren. Daten, Daten, immer mehr Daten: Diejenigen, die über sie verfügen und damit umzugehen wissen, werden die Profiteure des neuen Zeitalters sein, des Zeitalters der Daten. Die Bestimmer über die Daten werden über eine nie gekannte Fülle an Wissen und damit auch Macht verfügen. Wie jede neue Technik wird auch diese Schattenseiten haben. Solche, die sich schon absehen lassen. Solche, die wir noch nicht einmal ahnen. Sie eröffnet aber auch ganz neue Möglichkeiten.

Zwei Beispiele. In seinen Anfängen beschäftigte der heute größte Versandhändler der Welt, Amazon, eine Redaktion, die Empfehlungen für Bücher schrieb. Die etwa zwölf Literatur-Experten bestimmten darüber, was prominent angepriesen und damit mehr gekauft wurde. Doch dann hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos eine Idee. Was wäre, wenn man nicht bloß allgemeine Empfehlungen geben könnte, sondern jedem Kunden seine eigenen?

Ein junger Doktorand fand schließlich nach viel Herumrechnen in Amazons Datensammlungen heraus: Die besten Empfehlungen gab es, wenn man nicht Kunden verglich, sondern die Beziehungen der Produkte untereinander auswertete, die ein Kunde schon gekauft oder intensiv angesehen hatte. Heute sollen etwa 30 Prozent aller Verkäufe bei Amazon auf die so erzeugten Empfehlungen zurückgehen. Und die Redaktion? Wurde entlassen.

Es geht nicht um Ergebnisse, die bis auf die Nachkommazahlen stimmen

Wohnungen sind knapp in New York City, die Mieten exorbitant. Manche Hausbesitzer ziehen zusätzliche Wände ein, und in den Mini-Zimmern hausen die ausgebeuteten Bewohner in größter Enge. Immer wieder gibt es Tote bei Bränden. Doch wo sollen die unterbesetzten städtischen Behörden suchen? Mike Flowers, ein ehemaliger Anwalt, hatte die Lösung. Eine, die nicht sofort einleuchtete.

Flowers ließ Daten zusammentragen. Jede Menge Daten. Daten, die gar nicht zusammenpassten. Wann wo Genehmigungen für Renovierungen vergeben worden waren, wo es die meisten Beschwerden wegen Lärms oder Schlägereien gab. Seit die Behörden auf seine Methode setzen, ermitteln sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent im richtigen Mietshaus, davor waren es bloß 13.