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Dieselgate:Hybrid, ja bitte

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche stellt die dritte Generation seines erfolgreichen SUV-Modells Cayenne vor und prüft den Abschied von den Selbstzünder-Motoren, die von der Konzern-Schwester Audi geliefert werden.

Porsche und Diesel, das hat für viele noch nie zusammengepasst. Die imageträchtigen Flitzer aus Stuttgart, angetrieben von einem nagelnden Selbstzünder? Als der Sportwagenbauer 2009 mit dem Cayenne seinen ersten Diesel-Pkw auslieferte, sah so mancher Purist das Unternehmen schon in seinen Untergang rasen. Am Dienstagabend stellte Porsche den neuen Cayenne vor - dabei ließ Vorstandschef Oliver Blume offen, ob der SUV in seiner dritten Generation jemals mit Dieselmotor verkauft wird. Obwohl er sich nicht festlegte, wirkte vieles so, als wolle Porsche das Kapitel Diesel schnellstmöglich beenden.

Dabei war der Diesel-Cayenne - rein verkaufstechnisch - alles andere als ein Flop: Der Zwitter aus Sport- und Geländewagen wurde 760 000 Mal verkauft, mit 70 000 Stück pro Jahr ist er das zweiterfolgreichste Modell nach dem Macan. In Europa werden 70 Prozent aller Cayennes mit Diesel angetrieben, in Deutschland sogar 80 Prozent. Das wäre eigentlich Grund genug, die von der Konzern-Schwester Audi hergestellten Dieselaggregate weiterhin einzubauen. Doch inzwischen ist klar, dass mit den Motoren aus Ingolstadt auch Schummelsoftware ins Haus kam - und damit mächtig Ärger mit den Behörden und Kunden. Ende Juli verkündete Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einen Zulassungsstopp und einen Zwangsrückruf für den Porsche Cayenne TDI mit Drei-Liter-Motoren. Betroffen sind mehr als 20 000 Käufer.

Der Vorstandschef umkurvt Fragen souverän wie ein Rallye-Pilot

Das traf Porsche hart und könnte das Ende der Diesel-Ära bedeuten - auch wenn Vorstandschef Blume das so nicht sagen will: "Die Entscheidung ist final noch nicht gefallen", sagt er lediglich. Final? Klingt so, als liege eine Vorentscheidung schon auf dem Tisch. Blume umkurvt alle Nachfragen souverän und flink wie ein erfahrener Rallye-Pilot. Man solle sich jetzt auf die zwei angebotenen Benzinmotoren konzentrieren, sagt er, "und dann werden wir bekannt geben, wie es mit dem Diesel weitergeht." Dass es Benzin-Hybrid-Antriebe geben wird, lässt er durchblicken. Nur zum Diesel hält er sich bedeckt. Ein klares Bekenntnis ist das nicht.

Andere Porsche-Mitarbeiter werden da deutlicher. Man sei von Audi belogen worden und die Entscheidung gegen den Diesel sei längst gefallen, ist zu hören. Ein Unternehmenssprecher dementiert das allerdings später vehement. Es würden alle Szenarien geprüft, sagt er. Davon sei der Sofort-Ausstieg nur eine Option von vielen.

Und was sagt Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Porsche, der Enkel des Firmengründers Ferdinand? "Wir sind keine Dieselmarke." Andererseits sei der Selbstzünder wichtig, um den CO₂-Flottenausstoß zu reduzieren. Die Forderungen nach einem Ausstiegsdatum für die Verbrennertechnologie bezeichnet der 74-Jährige als unrealistisch; "Wer weiß, was in 20 Jahren sein wird?" Nun, für das ungleiche Paar Porsche und Diesel darf man davon ausgehen, dass bald Schluss ist.