Diesel-Prämien Rabatz um den Rabatt

Wer die Umtauschprämie nutzt, ist den alten Diesel los, muss aber das neue Auto bezahlen können.

(Foto: dpa)
  • Das Verkehrsministerium verkündet, Volkswagen prüfe, seine Umtauschprämie bald bundesweit anzubieten. Der Autobauer reagiert verhalten.
  • Seit Oktober sind nach Angaben von Volkswagen bislang erst 240.000 Diesel-Autos aus dem Verkehr gezogen worden.
  • Das Verkehrsministerium erhöht den Druck und lässt die VW-Abgasanlagen auf weitere Fehler prüfen.
Von Markus Balser, Berlin, Max Hägler und Klaus Ott

Es sollten eigentlich die Wochen werden, in denen für deutsche Städte und Autofahrer einiges besser wird. Rabattprogramme sollten Diesel-Besitzer zum Umsteigen von älteren auf neuere Fahrzeuge bewegen. Die Bundesregierung forcierte nach langem Zögern sogar die Nachrüstung mit Abgasanlagen und stellte Zulassungsregeln auf. Doch neuer Streit zwischen der Autobranche und dem Verkehrsminister macht nun klar: Von einer Lösung sind beide Seiten noch immer weit entfernt. Stattdessen eskaliert vor und hinter den Kulissen die Auseinandersetzung zwischen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Volkswagen-Chef Herbert Diess.

Diese Woche sagte Scheuer, Volkswagen prüfe, das Rabattmodell für den Umtausch älterer in neuere Diesel-Autos sogar bundesweit anzubieten. Schon ein paar Tag zuvor hatte Scheuer in einer ZDF-Talkshow erklärt: "Der VW-Konzern prüft ganz konkret, die attraktiven Tauschprämien für sauberere Autos allen betroffenen VW-Diesel-Besitzern im gesamten Bundesgebiet anzubieten." Es wäre ein großer Schritt, wenn VW das wirklich machte. Denn die deutschen Automobilhersteller hatten sich im Oktober vergangenen Jahres zwar mit der Bundesregierung auf zusätzliche Prämienmodelle für den Umtausch von älteren und schmutzigen Diesel-Fahrzeugen geeinigt - allerdings nur in den 15 Großräumen mit den schlechtesten Abgaswerten.

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Doch die Reaktion von Volkswagen ist, gelinde gesagt, verhalten. Es gelte weiter, was VW-Vertriebschef Christian Dahlheim sofort nach den ersten Scheuer-Äußerungen erklärte: bei Volkswagen gebe es "keine konkreten Pläne". Es ist die zweite harsche Kommunikation innerhalb weniger Tage. Unmittelbar nachdem die ersten Regeln für Diesel-Nachrüstungen bekannt geworden waren, opponierte der Autokonzern: Man rate von Nachrüstanlagen ab und werde Firmen, die derlei unterstützen wollten, auch in keiner Weise entgegenkommen. Der erste Dämpfer für Scheuer.

Dabei hatte sich Volkswagen zuvor eigentlich durchgerungen, bis zu 3000 Euro für die Nachrüstung leistungsfähiger Abgastechnik in ältere Diesel-Autos zu zahlen, sofern diese in Großräumen mit schlechter Luft gemeldet sind. Vor allem Kommunalpolitiker, aber auch Verbraucherschützer sehen Nachrüstungen als wichtige Möglichkeit zur Luftverbesserung. Doch zu überraschend und ohne Vorankündigung per Presse-Vorab sei dann Ende Dezember die entsprechende Richtlinie gekommen, die teure Risiken berge, klagt die Industrie. Auch bei dem Ausweiten des Prämienprogramms gebe es bei VW, wie man dort hört, eigentlich eine grundlegende Offenheit, um mehr ältere Wagen gegen neue oder "junge Gebrauchte" zu tauschen. Seit Oktober sind nach Angaben von Volkswagen bislang erst 30 000 vergleichsweise dreckige Diesel-Autos aus dem Verkehr gezogen worden; in einer ersten Welle zuvor waren es 210 000 Autos. Allerdings seien die Prämien komplizierte Vertriebsinstrumente - und nach Haltung von VW nicht zum vorschnellen Verkünden in einer Talkshow geeignet.

Überhaupt, so geht die Klage in der VW-Zentrale in Wolfsburg, gebe es keine langfristige, verlässliche Strategie der Politik: "Wir machen immer mehr Zugeständnisse, aber nie reicht es." Ausländische Hersteller hingegen würden gar nicht erfasst. Und zugleich werde die Branche bei anderen Themen nicht unterstützt, etwa bei den neuen, aus Sicht der Industrie zu hohen EU-Grenzwerten für Kohlendioxid.

Im Verkehrsministerium sieht man das ganz anders - und erhöht nun den Druck auf den Konzern. Man prüfe mögliche neue Fehler bei VW-Abgasanlagen, erklärte Scheuer ebenfalls in dieser Woche vor Journalisten. Offenbar geht das Kraftfahrtbundesamt dem Verdacht nach, dass auch in Software, die illegale Abschalteinrichtungen in Dieselmotoren eigentlich beseitigen sollte, mit Tricks gearbeitet wurde. Von drohenden Stilllegungen ist seither in Berlin die Rede. Oder wenigstens von einem erneuten Rückruf in die Werkstätten. Für das VW-Image wäre das ein harter Schlag.

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