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Diesel-Skandal:Der USA-Chef bräuchte Unterstützung aus Wolfsburg

Jetzt ist der Konzern aus Wolfsburg in einer Zwickmühle: Die neuen Kräfte unter Führung von Matthias Müller wollen aufklären, mit den Behörden reden, Dokumentationen vorlegen, Schwierigkeiten erklären, etwa diesen Fehler in der Beschreibung der Dieselsoftware, den die Carb als zweite Betrügerei auslegt, der aber aus VW-Sicht einfach nur ein dummes Versehen ist.

Der USA-Chef von Volkswagen, Michael Horn, bräuchte dabei Unterstützung aus Wolfsburg. Im Gespräch mit dem US-Kongress, mit der US-Handelsaufsicht, mit dem Generalstaatsanwalt in New York, mit Carb-Chefin Mary Nichols. Die Leute aus dem Konzern müssten Gesicht zeigen und handfest Probleme lösen, auch die der Kunden, die in diesen Tagen etwa per Twitter oder Facebook abfotografierte Briefe von Volkswagen zur Dieselkrise herumschicken, verbunden mit der empörten Kritik, das sei alles Hinhaltetaktik, was da drin stehe.

Das Problem: Wer jetzt aus Wolfsburg anreist, kann vielleicht nicht zurückfliegen. In Deutschland kennt man ein solches Passabnehmen nur in Verbindung mit Gefahrenabwehr. Hooligans erleben das beispielsweise im Vorfeld von "Risikofußballspielen". Oder Menschen, die verdächtigt werden, schwere Straftaten ausüben zu wollen, etwa Kindesentführungen oder Terroranschläge.

Bei Manipulationen an der Motorsoftware ist so etwas in Deutschland schwer vorstellbar - auch wenn hierzulande die Staatsanwaltschaft Braunschweig unterstützt von 20 Beamten des Landeskriminalamtes Niedersachen wegen des Verdachts auf Betrug und Verstöße gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb ermittelt.

Die US-Behörden sind da eben noch strenger, egal ob die Beamtin Mary Nichols oder eben die Justiz - das ist übrigens der Grund dafür, wieso die teure US-Kanzlei Jones Day die internen Übermittlungen bei Volkswagen führt. Die Wolfsburger wissen, dass Beamte und Politiker aus den USA ihren eigenen Juristen eher trauen. Aber trotz Jones Day bleibe eben das Risiko, dass VW-Leute festgesetzt werden, glauben sie in Wolfsburg.

Deshalb sei es mittlerweile unwahrscheinlich, dass der neue VW-Konzernchef Matthias Müller tatsächlich in der zweiten Novemberhälfte in die USA reise, wie sein Umfeld erklärt. Müller wollte eigentlich selbst anpacken, von Chef zu Chef mit den Ermittlern und Politikern reden. Doch gerade sei das zu heikel. "Wir brauchen hier erst Rechtssicherheit, bevor er in die USA fliegen kann", heißt es aus der Konzernführung. Denn ein Chef, der in Amerika im Hotel festsitzt - damit würde die Krise endgültig zum Desaster.

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Außerdem kommuniziere der Chef zu wenig mit den Beschäftigen. Auch in den USA muss Müller sich auf neue Probleme einstellen.   Von Max Hägler