bedeckt München 23°
vgwortpixel

Diesel-Krise:Autohändler beklagen Millionenschäden durch Dieselkrise

Gebrauchtwagenhandel im Drive-In Autokino Aschheim, Münchnerstraße 60. Thema: Diesel-Fahrverbot

Das ramponierte Image des Diesels trifft nicht nur die Hersteller. Auch die Händler machen große Verluste.

(Foto: Florian Peljak)
  • Wegen des Abgasskandals gehen die Neuzulassungen von Diesel-Pkw seit Monaten stark zurück.
  • Das trifft nicht nur die Hersteller, sondern auch die Händler, die die Fahrzeuge häufig nur noch mit hohen Rabatten loswerden.
  • Mehr als 350 000 Euro-5-Diesel im Wert von 4,5 Milliarden Euro ständen auf den Höfen der Händler, sagt der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK)

Mutmaßliche Abgasmanipulationen und drohende Fahrverbote haben das Image der Diesel-Technologie zuletzt schwer beschädigt. Die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Diesel-Motoren sinken seit Monaten. Im April waren es nach Angaben des Kraftfahrzeugbundesamtes 12,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im März betrug der Rückgang gar mehr als 25 Prozent. Die Krise trifft allerdings nicht nur Hersteller, sie setzt auch die Autohändler immer stärker unter Druck.

"Für viele Betriebe ist das existenzbedrohend", sagte Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben zurzeit über 350 000 Euro-5-Diesel-Fahrzeuge auf unseren Höfen stehen mit einem Wert von 4,5 Milliarden Euro, die nur schwer verkäuflich sind." Händler hätten Hunderte Millionen Euro Verlust zu beziffern.

Hardware-Nachrüstungen lehnen die Hersteller vehement ab

Hinzu käme, dass die Restwerte bei Leasing-Autos, die zurück an den Handel gingen, nicht mehr stimmten. Sie sind nun deutlich weniger Wert, als beim Vertragsabschluss berechnet. "Es gibt Abschläge von 10 bis sogar 50 Prozent", sagte Karpinski. Da die Margen für die meist mittelständischen Betriebe ohnehin niedrig seien, gerieten sie nun weiter unter Druck. Häufig ließen sich Autos nur noch mit sehr hohen Rabatten verkaufen. "Wir müssen richtig Geld in die Hand nehmen", sagt Karpinski. "Aber die finanziellen Mittel der Betriebe sind begrenzt."

Der ZDK-Präsident forderte mehr Unterstützung vonseiten der Bundesregierung. "Die Politik tut nichts für den sonst viel gerühmten Mittelstand", sagte Karpinski. "Wir fordern schon seit Beginn der Krise eine Nachrüstung der Hardware. Das ist möglich."

Die meisten Autohersteller lehnen Hardware-Nachrüstungen bislang vehement ab, vor allem aus Kostengründen. Stattdessen bieten Updates für die Motor-Software an, deren Nutzen allerdings umstritten ist. Nach Ansicht des ZDK würden nur Hardware-Nachrüstungen das entscheidende Signal senden, um die Dieselkrise zu beruhigen. "Das würde die Restwerte stabilisieren, die Finanzlage der mittelständischen Betriebe stabilisieren und drohende Fahrverbote verhindern", sagte Karpinski.

© SZ.de/dpa/jhs/jps

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite