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Diesel-Affäre:Rückhalt für Diess

Aufsichtsrat und Eigentümer­familien stellen sich hinter VW-Chef Herbert Diess. Auch von anderer Seite gibt es unerwartete Rückendeckung.

Nach der Anklage gegen die aktuelle Unternehmensspitze schließt Volkswagen die Reihen. Der Aufsichtsrat des Industriekonzerns teilte am Mittwoch nach einer Sondersitzung mit, man könne "weiterhin keine vorsätzlich unterlassene Information des Kapitalmarkts erkennen. Dies hat sich auch nach Prüfung der Anklageschrift nicht geändert". Aus diesem Grund werde "die erfolgreiche Zusammenarbeit" mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch - der an dieser Sitzung nicht teilnahm - und dem Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess fortgesetzt. Die Familiengesellschafter Porsche und Piëch erklärten, sie stünden "uneingeschränkt" hinter Pötsch und Diess.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass sie Pötsch, Diess sowie dessen Vorvorgänger Martin Winterkorn wegen "Marktmanipulation" anklage. Die Manager hätten bereits im Sommer des Jahres 2015 die Risiken erkennen müssen, die durch die Manipulation von Diesel-Autos entstanden seien. Doch hätten sie die Aktionäre bewusst nicht gewarnt. Im September 2015 flog der Skandal in den USA auf; der Konzern musste dort mehr als 20 Milliarden Euro an Strafen und Schadenersatz zahlen.

Das Landgericht Braunschweig prüft nun, ob die Vorwürfe und bislang ermittelten Indizien für eine Hauptverhandlung ausreichen. Eine prekäre Situation besonders für die beiden aktiven VW-Manager Diess und Pötsch, weil in Frage steht, ob sie ihre Ämter noch angemessen ausführen können. Sie wehren sich, wie auch Winterkorn, mittels ihrer Strafverteidiger vehement gegen die Vorwürfe - und erfahren dabei auch Unterstützung.

Pötsch wurde auf einer Betriebsversammlung im VW-Stammwerk in Wolfsburg am Mittwoch einem Teilnehmer zufolge von den Beschäftigten mit Applaus begrüßt. Auf dieser Versammlung erklärte Stephan Weil, SPD-Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, das ebenfalls an VW beteiligt ist: Er habe "großen Respekt" vor der sorgfältigen Arbeit der Staatsanwaltschaft. "Aber eine Anklage ist kein Urteil." Sie wiege zwar schwer: "Aber in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung." Diess erfuhr sogar Zuspruch von der Konkurrenz. "Er hat meine Unterstützung", kommentierte Tesla-Chef Elon Musk die Anklage. Denn der VW-Chef tue mehr als jeder andere große Autohersteller für die E-Mobilität.

© SZ vom 26.09.2019

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