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Diesel-Affäre:Audi-Chef gerät in Bedrängnis

Audi Chief Executive Officer Rupert Stadler addresses the company's annual news conference in the Bavarian city of Ingolstadt

Audi-Chef Rupert Stadler gilt als enger Vertrauter der VW-Großaktionäre Porsche und Piëch.

(Foto: Michael Dalder/Reuters)
  • Bislang schien die Abgasaffäre an der VW-Tochter Audi und ihrem Chef Rupert Stadler abzuperlen.
  • Doch es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Audi in die Manipulation von Schadstoffmessungen im VW-Konzern verstrickt ist.

Bislang ist Audi in der Abgas-Affäre, die dem Mutterkonzern Volkswagen schwer zusetzt, gut weggekommen. Kein Strafverfahren in Deutschland, keine Schadenersatzforderungen, nichts dergleichen.

Die Affäre schien an der VW-Tochter und Vorstandschef Rupert Stadler einfach abzuperlen. Doch das könnte sich jetzt ändern. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Audi heftig verstrickt ist in die jahrelange Manipulation von Schadstoff-Messungen im VW-Konzern. Und nun sogar das: Stadler soll, so berichtet es Spiegel Online, früh von den geschönten Abgas-Werten erfahren haben. Und zwar bereits im Jahr 2010. Das hätten Zeugen ausgesagt. Dazu habe der Audi-Chef am Dienstag von den im Konzern eingesetzten internen Ermittlern der Anwaltskanzlei Jones Day befragt werden sollen.

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Träfe das zu, dann käme die Konzernspitze von Volkswagen mehr denn je in Bedrängnis. Stadler ist nicht nur Chef von Audi, sondern auch Vorstandsmitglied von VW. Und er ist ein enger Vertrauter der Familien Porsche und Piëch, den Hauptaktionären von Volkswagen. Die halten bislang fest zu Stadler. Audi selbst nimmt zu alledem nicht Stellung. Weder zu den Vorwürfen gegen den Vorstandschef; noch zu Erkenntnissen, wonach die Ingolstädter VW-Tochter tief in die Affäre verstrickt sein soll. Es gelte nach wie vor die Auflage der US-Behörden, sich nicht zu den laufenden Ermittlungen zu äußern, erklärt Audi. In den USA untersuchen mehrere Behörden, wie es dazu kam, dass VW die offiziellen Abgastests jahrelang manipulierte. Und wer dafür alles verantwortlich ist; ob nun bei Volkswagen in Wolfsburg oder bei Audi in Ingolstadt. Dort soll nach bisherigen Erkenntnissen die Technik für die Manipulationen mit entwickelt worden sein.

Wegen der Abgas-Affäre muss bei Audi bereits der Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch gehen. Er ist beurlaubt worden. Er ist, beziehungsweise war, der vierte Entwicklungschef bei Audi in vier Jahren. In Konzernkreisen wird berichtet, der Manager sei bei den internen Ermittlungen durch die US-Kanzlei Jones Day schwer belastet worden. Knirsch hatte vor gut drei Jahren die Entwicklungsabteilung für Motoren in Ingolstadt übernommen, und genau das dürfte ihm nun zum Verhängnis geworden sein. Denn hier wurden auch Motoren entwickelt, die später in den Strudel um manipulierte Abgasmessungen gerieten. Knirsch ist nicht der einzige Manager bei Audi, der wegen der Abgas-Affäre gehen muss. Mindestens eine Handvoll Beschäftigte sollen inzwischen beurlaubt worden sein, heißt es. Audi äußert sich auch dazu nicht, sondern bleibt dabei: Kein Kommentar.

Im Gegensatz zu Volkswagen ist es der Tochter Audi auch noch nicht gelungen, sich mit den US-Behörden darauf zu einigen, wie die von der Betrugssoftware betroffenen Motoren umgerüstet werden können. Dies betrifft 85 000 Drei-Liter-Motoren, die in Audi-, Volkswagen- und Porsche-Modellen eingebaut sind. Die Verhandlungen dauerten an, heißt es aus Audi-Kreisen.