Diehl In der Defensive

Zulieferungen wie für den Eurofighter, geben Diehl das Image eines Rüstungskonzerns.

(Foto: Francois Mori/AP)

Diehl hat lange mit Rüstung Geld verdient. Nun bringen Bordküchen und Toiletten für Flugzeuge mehr ein.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Die Sonderausstellung zu eröffnen, oblag dem niederländischen Königspaar. Willem-Alexander und Máxima durchschnitten das übliche rote Band und gaben damit den Weg frei zu 143 kostbaren Kupferstichen, Radierungen und Holzschnitten von Albrecht Dürer. Der Nürnberger Industrielle Karl Diehl (1907-2008) hatte die Werke Zeit seines Lebens zusammengetragen. Dessen Nachkommen schenkten die auf einen niedrigen zweistelligen Millionenwert taxierte Sammlung kürzlich ihrer Heimatstadt.

Die Familie Diehl zählt zu den reichsten des Landes; ihr Geld verdiente sie jahrzehntelang besonders mit Rüstungsgütern. Das aber ändert sich seit geraumer Zeit. Das Geschäft mit Lenkflugkörpern, Systemen für den Luftkampf, Munition, Überwachungs- und Schutzsystemen steuert in diesem Jahr voraussichtlich nur noch 13,5 Prozent zum Umsatz bei. 2015 ist es sogar deutlich eingebrochen. Das Panzerkettengeschäft und ein Instandhaltungswerk haben die Franken verkauft. Vom massiven Anstieg der deutschen Rüstungsexporte profitierte Diehl nicht.

"Viele Länder haben andere Probleme, als ihre Verteidigung zu modernisieren", sagt Vorstandschef Thomas Diehl. Und sein Unternehmen pushe das Waffengeschäft auch nicht von sich aus, sondern: "Wenn ein Kunde kommt und etwas braucht, dann sind wir da."

Andere Sparten des Familienkonzerns, der sich längst zum breit gefächerten Technologiekonzern entwickelt hat, verzeichnen zum Teil ein starkes Wachstum. So erwirtschaftete Diehl im vergangenen Jahr gut 3,1 Milliarden Euro Umsatz, 2,3 Prozent mehr als 2014, aber weniger als erwartet. Der Gewinn ging sogar deutlich zurück. Das Nürnberger Unternehmen beschäftigt knapp 16 000 Mitarbeiter. Deren Arbeitsplätze seien ihm und seiner Familie wichtig, sagt Thomas Diehl. Deswegen presse man auch nicht das letzte aus der Firma heraus, nur um den Profit zu maximieren. Jener aus der laufenden Geschäftstätigkeit lag bei 84 Millionen Euro. "Das ist deutlich unterhalb dessen, was wir anstreben und haben sollten", sagt Diehl.

2014 lag das Ergebnis noch um 50 Millionen Euro höher. Doch deutlich höhere Pensionsrückstellungen in Zeiten der Niedrigzinsen schlugen 2015 durch. Im laufenden Jahr will Diehl den Umsatz auf 3,4 Milliarden Euro steigern. Er erwarte "keine größeren Überraschungen", sagt der Vorstandschef, der im März seinen 65. Geburtstag feierte. Ans Aufhören denkt der Familienunternehmer dennoch nicht. Er wolle nicht wie einst sein Vater Karl mit 90 Jahren noch in der Firma sein, "aber ich stehe bereit, so lange ich kann und man mich will." Das Unternehmen Diehl gehört einer Familienstiftung.

Dabei wird Thomas Diehl den Konzernumbau weiter vorantreiben. Knapp ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet der Konzern mit dem Innenausbau von Flugzeugkabinen, seien es Toiletten, Gepäckfächer, Kabinenbeleuchtung, Türverriegelungen, Bordküchen oder Systeme für das Cockpit sowie zur Flugsteuerung und Triebwerksregelung. Allein mit 15 verschiedenen Aufträgen ist das fränkische Unternehmen im neuen Airbus A350 vertreten, dessen Serienproduktion angelaufen ist. Finanzchef Wolfgang Weggen beziffert den Diehl-Umsatz pro Maschine auf knapp fünf Millionen Dollar.

Die deutsche Rüstungsindustrie unterliegt immer mehr ausländischem Einfluss

Zweitgrößte Konzernsparte ist mit zuletzt 850 Millionen Euro Umsatz der Bereich Metall, wo Diehl unter anderem Stangen, Rohre und Profile herstellt. Mit 475 Millionen Euro Umsatz hat auch der Teilkonzern Controls 2015 die Rüstungssparte (Umsatz 405 Millionen Euro) überholt. Dahinter verbergen sich vor allem Steuerungen für Hausgeräte. Verstärkt will Diehl auch Systeme zum dezentralen Energiemanagement anbieten. Zu diesem Zweck tat sich der Nürnberger Konzern mit einem Start-up-Unternehmen zusammen. Ebenfalls gewachsen, wenn auch nur gering, ist das Geschäft mit Wasser-, Strom oder Wärmezählern. Es steuerte im vergangenen Jahr etwa 310 Millionen Euro zum Umsatz bei.

Mit einem Wiedererstarken der eigenen Rüstungssparte rechnet der Nürnberger Familienunternehmer nicht. Er verwies vielmehr darauf, dass die vier großen deutschen Rüstungskonzerne Airbus, Rheinmetall, Thyssen-Krupp und Krauss Maffei Wegmann "alle nicht mehr national" seien, sondern im Besitz amerikanischer Investoren oder aber fest mit ausländischen Partnern kooperieren. "Ohne eigene wehrtechnische Basis" aber, warnte Diehl, werde Deutschland nicht an weltpolitischem Einfluss hinzugewinnen. Die Politik nehme das "sehenden Auges zur Kenntnis". Die Firma Diehl kooperiere ihrerseits projektbezogen mit ausländischen Partnern. Sollte dies nicht reichen, werde man über feste Zusammenschlüsse nachdenken.