Die Recherche:Ist es der Markt? Ist es Diskriminierung? Oder diskriminiert der Markt?

Womöglich steckt hinter dem Frauenaufschlag gar nicht der Markt, sondern eine Diskriminierung - im Sinne von Simone de Beauvoir: Wenn der Mann als Norm und die Frau als das andere gesehen wird, dann gelten auch Männerprodukte als normale Version. Frauenprodukte wären demnach die besondere, luxuriöse Ausführung und teurer. Die Beauvoir'sche These anhand von Laptoptaschen: Während die schwarze Tasche 39,99 Euro kostet, kostet die identische pinke Version 44,95 Euro.

Die Politik sieht keinen Handlungsbedarf

Eigentlich will die Gesetzgebung, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden. 2012 mussten deshalb die unterschiedlichen Versicherungsprämien nach Geschlecht abgeschafft werden. Davor zahlten Frauen bei privaten Kranken- oder Rentenversicherungen höhere Beiträge als Männer, Männer wiederum bei Autoversicherungen.

Bei den unterschiedlichen Preisen in den Läden sieht die Politik jedoch keinen Handlungsbedarf. Dem Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz liegen keine statistischen Erkenntnisse über diese Ungleichbehandlung vor, heißt es auf Anfrage. "Diese Preisunterschiede sind aber grotesk", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das sogenannte "gender pricing" werde in Deutschland nicht ernst genommen. In den US-Bundesstaaten New York und Kalifornien ist es inzwischen verboten, in Frankreich wird darüber diskutiert.

Frauen zahlen nicht nur mehr, sie kriegen auch weniger für ihre Waren

Übrigens ist es nicht nur so, dass Frauen für ihre Produkte oft mehr hinblättern - sie bekommen auch weniger. Und nein, damit ist nicht der Gender Pay Gap gemeint, die Tatsache, dass Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger verdienen (bezogen auf den Bruttostundenlohn). Auch als Händlerinnen kämpfen sie mit schlechteren Margen. Eine aktuelle Studie der Universität Tel Aviv fand heraus, dass Frauen auf Ebay niedrigere Preise als männliche Verkäufer erzielen - für identische Produkte.

Was kann man als Frau also gegen diese Ungleichbehandlung tun - auf Ebay einen männlich klingenden Nutzernamen wählen? Vielleicht. Als Konsumentinnen sollten sich Frauen zumindest nicht austricksen lassen und sich bei den Herstellern beschweren. Solange kein Bewusstsein für diese Ungerechtigkeit herrscht, wird sich auch nichts ändern.

Fürs Erste heißt das: Raus mit den pinken Rasierern aus der Einkaufstüte. Die blauen tun das Gleiche.

"Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" Diese Frage hat unsere Leser in der achten Runde unseres Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Das folgende Dossier soll sie beantworten.

© SZ.de/bavo/cat
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB