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Die Finanzkrise und ihre Folgen:"Jeder hat die Zahlen der BayernLB gekannt"

Wie viel Geld braucht die BayernLB nun wirklich? In München tagt der Verwaltungsrat der Krisenbank - und redet Tacheles. Sparkassen-Präsident Naser weist Vorwürfe zurück und bringt die bisherige CSU-Regierung in Bedrängnis.

Die Sparkassenvorstände, die Montagabend aus dem ganzen Freistaat Bayern zu einer kurzfristig anberaumten Krisenversammlung nach München geeilt waren, rieben sich verwundert die Augen. Siegfried Naser nahm kein Blatt vor den Mund, als es um die stark angeschlagene Bayerische Landesbank (BayernLB) ging. Der Sparkassenpräsident schilderte die Lage des öffentlichen Kreditinstituts mit dramatischen Worten. Und er redete sich in Rage über die alte CSU-Regierung, und das in einer Art und Weise, die ein politisches Beben auslösen könnte. Naser ist dieser Tage aus der CSU ausgetreten, um seine "politische Neutralität" als Sparkassenpräsident zu zeigen.

Polieren für ein besseres Image: Die BayernLB wurde von der Finanzkrise schwer erwischt, jetzt sollen die Milliarden aus dem Rettungspaket der Bundesregierung helfen.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Sparkassenvorstände und auch zahlreiche Verwaltungsräte der kommunalen Kreditinstitute, die nach München gekommen waren, fuhren jedenfalls besorgt nach Hause. Viele hatten den Eindruck gewonnen, die BayernLB sei ein Sanierungsfall und dies könne auf die Sparkassen durchschlagen, denen die Landesbank zur Hälfte gehört. Die andere Hälfte besitzt der Freistaat.

Keine Propheten bei der Bayern LB

Naser sagte, die Landesbank müsse kleiner werden, sie stehe vor "erheblichen Herausforderungen". Und er deutete an, es könne alles noch schlimmer werden als bislang bekannt: "Was morgen ist, was in acht Tagen ist, weiß niemand in Zeiten der Weltfinanzkrise." Naser erzählte auch, ihm sei in der CSU unterstellt worden, er habe die Koalitionsverhandlungen mit der FDP beinahe zum Platzen gebracht, weil er bei diesen Gesprächen den Kapitalbedarf der BayernLB mitgeteilt habe: die, inzwischen öffentlichen genannten, bis zu fünf Milliarden Euro.

Diese Unterstellung sei eine "Unverschämtheit" entrüstete sich Naser. Er habe nur die Wahrheit gesagt, "offen und brutal". Die Zahlen habe "jeder Verwaltungsrat" der BayernLB gekannt. Im Verwaltungsrat, dem Kontrollgremium, sitzen mehrere Vertreter der alten Regierung, unter ihnen Finanzminister Erwin Huber. Für den könnte es nun eng werden.

© SZ-Primetime vom 21.10.2008/mel
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