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Für Wolkenkratzer zu wenig, fürs Konto zu viel: Ein Start-up lockt Kleinanleger in die Immobilienfinanzierung.

(Foto: Robert Haas)

Die Online-Plattform Zinsland eines Hamburger Start-ups bietet Immobilieninvestments für Kleinanleger. So sollen Menschen bereits mit 500 Euro einsteigen können. Ob das Konzept langfristig trägt, ist allerdings fraglich.

Mit dem Immobilienboom ist das so eine Sache. Alle reden darüber. Aber nur wenige haben etwas davon. Denn die Anschaffung einer Immobilie als Investitionsobjekt kommt meist nur für Menschen in Frage, die ohnehin schon ein ordentliches finanzielles Polster besitzen. Wohnungen, Häuser oder Gewerbeobjekte kosten nun einmal eine Menge Geld. Weitaus mehr Geld, als Menschen mit durchschnittlichem Einkommen als Anlagekapital zur Verfügung haben.

Carl Friedrich von Stechow, 36, kennt die Klientel der finanziell besser gestellten privaten Immobilienanleger ziemlich gut, er hat jahrelang für diese Menschen gearbeitet. Aber, sagt Stechow, den Normalverdienern in seinem Freundeskreis habe er bei der Frage nach Investitionsmöglichkeiten nie eine zufriedenstellende Antwort geben können. Die besten Anlagemöglichkeiten blieben meist jenen vorbehalten, die große Summen investieren könnten - während die vielen anderen sich bloß über die niedrige Verzinsung auf ihrem Tagesgeldkonto ärgern.

Carl Friedrich von Stechow ist der Geschäftsführer von Civum, dem Unternehmen, das die Internetplattform Zinsland.de betreibt. Und Zinsland soll die Rettung sein für all die investitionswilligen Durchschnittsverdiener, das ist seine Botschaft. Stechow sitzt in einer schicken Villa in bester Hamburger Lage. "Es sieht hier nicht aus wie bei einem Start-up", sagt er, es klingt ein bisschen wie eine Entschuldigung. Die Räume gehören zur Mutterfirma Vivum, einem Unternehmen, das sich seit zehn Jahren für Projektentwickler um die Finanzierung kümmert und potente Investoren für Immobilienprojekte findet. Investoren, die auch mal Summen locker machen können, die andere in Jahren nicht verdienen. Das Prinzip der neuen Plattform Zinsland ist im Grund dasselbe - bloß, dass hier niemand eine halbe Million locker machen muss. Mit 500 Euro Mindestinvestment ist man dabei.

Das Geschäftsmodell funktioniert so: Projektentwickler, die zum Beispiel eine Wohnanlage bauen, finanzieren in der Regel ihr Objekt zum größten Teil durch Bankkredite. Einen kleineren Teil des Kapitals müssen sie aber aus anderen Quellen bekommen. Dafür, dieses benötigte Kapital aufzutreiben, beauftragen sie Unternehmen wie die Betreiber von Zinsland. Die versuchen, Privatanleger für die Objekte zu begeistern und sammeln über ihre Internetseite Geld von den Investoren ein.

Rechtlich betrachtet gewähren diese Anleger damit dem Projektentwickler einen Kredit. Dementsprechend ist auch das Risiko: Wenn der Projektentwickler pleite geht, ist das Geld vermutlich unwiderruflich weg. Wenn es klappt, bekommen die Anleger allerdings eine garantierte Rendite - das könnten viele Menschen reizvoll finden. "Wir sehen uns die Objekte sehr genau an und wir arbeiten nur mit Entwicklern, die wir schon sehr lange und sehr gut kennen", sagt Stechow, der drei Jahre bei Civum gearbeitet hat und davor unter anderem für das Beratungsunternehmen Deloitte und die Immobilienfirma Engel & Völkers tätig war.

Ob das klappt? Derzeit ist das erste Objekt, in das man über Zinsland investieren kann, ein Wohnhaus in Hilden bei Düsseldorf. Bis Ende Mai wird noch Geld eingesammelt, dann müssen die 750 000 Euro da sein, die Zinsland dem Projektentwickler zugesagt hat. Gut die Hälfte des Geldes ist schon da. Im Schnitt werden etwa 3900 Euro von jedem Anleger investiert. Renditeaussichten: 6,5 Prozent, auszuzahlen nach 18 Monaten Laufzeit. Druck verspürt Stechow nicht: Er habe vermögende Investoren auf Abruf, die den fehlenden Betrag zuschießen würden, falls sich nicht genügend Kleinanleger fänden, sagt er. "Jedes Objekt, das wir auf unserer Internetseite vorstellen, bekommen wir auch garantiert finanziert." Schließlich brauche auch der Projektentwickler Planungssicherheit.

Geld verdient Zinsland nur durch die Provision des Projektentwicklers, das Geld der Anleger soll direkt ins Objekt investiert werden. "Wenn es nicht gefühlte fünfhundert Vertriebspartner gibt, die alle mitverdienen wollen, sind die Erträge für die Anleger natürlich viel attraktiver", sagt Stechow. Der Vertrieb von Anlageprodukten ohne zwischengeschaltete Banken oder Fondsberater sei deshalb nur sinnvoll, findet Stechow. "Es ist gut, dass das Internet diese Branchen aufmischt, sehr, sehr gut."

Neben dem Objekt in Hilden sollen in diesem Jahr noch drei weitere Immobilienprojekte über Zinsland finanziert werden, 2016 sind weitere fünf Investitionsangebote das Ziel. Bis das Unternehmen Gewinn abwerfen wird, soll es etwa eineinhalb Jahre dauern, das ist der Plan.

Was die Sache verkomplizieren könnte, ist das neue Kleinanlegerschutzgesetz, das die Bundesregierung nicht zuletzt wegen des Debakels mit anderen Immobilienanlagen beschlossen hat, den offenen Immobilienfonds. Anleger können künftig maximal 10 000 Euro bei Zinsland investieren und sollen so vor Fehlinvestments geschützt werden.

Die Digitalisierung hat die Finanzbranche voll erfasst, immer mehr Start-up-Unternehmen fordern die Banken heraus. In dieser Serie stellt die SZ die Angreifer vor.