DiCaprios Thriller "Blood Diamond":Fiktive Wahrheiten

Der Film "Blood Diamond" ist spektakuläres Hollywoodkino, aber er erzählt auch ziemlich eindeutig von der Zerstörung eines Landes, dem Mord an seiner Bevölkerung und der Vernichtung traditioneller Lebensweisen in Afrika.

Fritz Göttler

Vor einigen Wochen bekam Leonardo DiCaprio Post von den Kalahari Buschmännern Botswanas. Sie hatten eine ganze Seite im Branchenblatt Variety gebucht und schrieben in einem offenen Brief: ,,Freunde haben uns erzählt, Sie würden in dem Film Blood Diamond spielen, der zeigt, wie wahnsinnig weh Diamanten tun können. Wir wissen das. Als man uns von unserem Land verjagte, haben uns die Leute von der Regierung gesagt, das wäre wegen der Diamantenfunde. Sir, bitte helfen Sie uns.''

DiCaprios Thriller "Blood Diamond": Szene aus "Blood Diamon":  Leonardo DiCaprio (links) und Djimon Hounsou.

Szene aus "Blood Diamon": Leonardo DiCaprio (links) und Djimon Hounsou.

(Foto: Foto: dpa)

Der Hilferuf an den Hollywoodstar kommt nicht ganz zufällig. Seit den Dreharbeiten zu ,,The Beach'' in Thailand ist DiCaprio sensibel geworden für Umweltfragen und hat sich in den USA mehrmals ökologisch engagiert.

In Blood Diamond, geschrieben und inszeniert von Ed Zwick, spielt er einen Söldner/Schmuggler in Sierra Leone, der von einem eingeborenen Fischer (Djimon Hounsou) von einem extrem wertvollen rosa Diamanten erfährt, seiner wohl letzten Chance, endlich aus dem Land herauszukommen.

Kriegerische Milizen

Auf der Suche nach dem Diamanten geraten die beiden - und Jennifer Connelly, als amerikanische Reporterin - in die Auseinandersetzungen der kriegerischen Milizen, die sich durch die brutale Ausbeutung der Diamantenminen des Landes Waffen und Ausrüstung verschaffen, die sie bezahlen mit dem schmutzigen Geld, das ihnen das Geschäft mit den berüchtigten Blut- oder Konfliktdiamanten einbringt.

Blood Diamond ist spektakuläres Hollywoodkino, melodramatisch und actionreich, aber dann erzählt der Film auch ziemlich eindeutig von der Zerstörung eines Landes, dem Mord an seiner Bevölkerung, der Vernichtung traditioneller Lebensweisen in Afrika.

Der grandiosen afrikanischen Natur wird das Elend verkrüppelter Kindersoldaten kontrastiert. Noch hat keiner den fertigen Film gesehen, aber schon ist eine heftige Debatte um ihn entfacht.

Das internationale Diamantenkartell DeBeers verlangte von den Filmemachern, dem Film ein Insert voranzustellen, das die gezeigten Ereignisse als fiktiv erklärt und als Teil einer längst überwundenen Vergangenheit: Durch das Kimberley-Kontrollsystem seien die Missstände beseitigt, die Vorgänge beim Diamantenhandel transparent.

Weigerung

Die Filmemacher weigerten sich. Auch Organisationen wie Amnesty International und Global Witness sind skeptisch, was die Effizienz der Selbstkontrolle der Branche angeht.

Der Brief der Buschmänner Botswanas an Leonardo DiCaprio wäre natürlich nie geschrieben worden, wenn es den Film nicht gäbe. Überhaupt sind Zweifel angebracht, dass sie wegen angeblicher Diamantenfunde von ihrem Land vertrieben wurden.

Ein anderer Film

Vielmehr mussten sie ihr Revier verlassen, weil es die Regierung von Botswana als zu aufwendig empfand, die Buschmänner dort mit Wasser, Nahrung und Medikamenten zu versorgen. Aber das ist dann wieder ein anderer Film.

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