Süddeutsche Zeitung

Diamantenindustrie:Der Markt schwächelt

Handelskonflikte und der Brexit verunsichern die Kunden, in den USA ebenso wie in Asien.

Von Jacqueline Hadasch

Es war kein schillerndes Jahr für die Diamantenindustrie: Die weltweite Nachfrage nach den Edelsteinen ging 2019 in den ersten drei Quartalen zurück. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain & Company und des Antwerp World Diamond Centers. Für Diamantenschmuck ist im gesamten Jahr mit einem Umsatzminus von etwa zwei Prozent zu rechnen, das Geschäft mit Rohdiamanten dürfte um rund 25 Prozent eingebrochen sein.

Dabei macht dem Sektor besonders der Handelsstreit zwischen den USA und China zu schaffen. Der Konflikt verunsichert die Amerikaner und schmälert die Kauffreude auf dem für den Diamantenabsatz wichtigen US-Markt. Hinzu kommt, dass 2019 weniger kauflustige Reisende aus China in die Vereinigten Staaten kamen und ein neuer Extrazoll der USA chinesischen Schmuck um 15 Prozent verteuert.

Auch in Europa drückt politische Instabilität auf das Konsumklima: Laut der Studie sind besonders der Brexit und die anhaltenden Demonstrationen in Frankreich Grund für die sinkende Nachfrage nach den edlen Steinen.

Den Minenbetreibern setzt der schwächelnde Diamantenmarkt zu. Nachdem die Förderung von Rohdiamanten 2017 ein Rekordhoch verzeichnete, wurden die Produzenten ihre Steine danach offenbar nicht mehr los. Die unliebsamen Folgen waren im vergangenen Jahr Preisstürze und sinkende Gewinnspannen. Dem wollen die Minengesellschaften nun entgegenwirken - und rühren die Werbetrommel. Die Marketingausgaben im Diamantensektor erreichten 2019 ein Rekordhoch. Insgesamt investierten die Produzenten rund 200 Millionen US-Dollar, rund 183 Millionen Euro, in Werbemaßnahmen. Zusätzlich wurde die Produktion der Rohdiamanten seit 2017 um etwa sieben Prozent gesenkt.

Trotz Marketingoffensive und Förderungsrückgang: Für 2020 prognostiziert die Studie einen allenfalls langsamen Aufschwung für den Diamantenmarkt. Langfristig zeichne sich aber eine Stabilisierung des Sektors ab. Besonders in unsicheren Zeiten sähen Konsumenten Diamanten als bleibende Wertanlage an, heißt es. Große Produzenten wie Alrosa, De Beers oder Rio Tinto seien daher bestrebt, die Förderung von Rohdiamanten auf lange Sicht stabil zu halten. Auch das Statistikportal Statista sieht einen langfristigen Trend hin zur Stabilisierung der Produktion und sagt für 2020 ebenfalls einen leichten Anstieg voraus. Demnach werden in diesem Jahr rund 157 Millionen Karat Rohdiamanten geschürft.

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Quelle:
SZ vom 10.02.2020
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