DHL ist der größte Logistikkonzern der Welt, aber der Name der Mutterholding und der Aktie kommt bisher noch recht national daher. Das Bonner Dax-Mitglied tritt zwar schon seit 2023 als DHL Group auf, doch die Muttergesellschaft, die über den einzelnen Sparten steht, heißt offiziell weiterhin Deutsche Post AG. Dementsprechend heißen auch die Anteilsscheine Post-Aktien. An diesem Dienstag wird sich das ändern: Von September an firmiert das Unternehmen mit 584 000 Beschäftigten offiziell als DHL AG – und der Anteilsschein als DHL-Aktie.
Diesem Plan von Vorstandschef Tobias Meyer hat die Hauptversammlung bereits im Mai zugestimmt. Wer in Deutschland Briefe abgibt, wird diese Änderung allerdings nicht merken. Dieses Geschäft läuft weiterhin unter dem Markennamen Deutsche Post. Inzwischen steht die deutsche Brief- und Paketsparte aber nur noch für ein Fünftel des Umsatzes. Das meiste Geld verdienen die Bonner in ihren vier internationalen Sparten: dem Expressgeschäft, der Sparte für Luft- und Seefracht und Lkw-Transporte, dem Bereich für Lieferketten-Dienstleistungen, etwa den Betrieb von Lagerhäusern, und der kleinsten Sparte namens E-Commerce. Sie stellt auf ausländischen Märkten Pakete von Onlinehändlern zu, oft grenzüberschreitend.
In Südkorea oder Nigeria, Peru oder Kanada ist der Konzern als DHL bekannt. Dass die Muttergesellschaft für all diese globalen Geschäfte offiziell Deutsche Post AG heißt, erschien Vorstandschef Meyer als unpassend. Das Konstrukt hatte sich aus der Firmenhistorie ergeben. Die Deutsche Post AG übernahm in den Jahren rund um den Börsengang 2000 den Schweizer Spediteur Danzas, den US-Expressdienst DHL – benannt nach den Gründern Dalsey, Hillblom und Lynn – und den britischen Logistikanbieter Exel. Diese Zukäufe waren die Basis für die internationalen Sparten des Konzerns. Doch Muttergesellschaft blieb weiter die Deutsche Post AG, der Name wurde bis jetzt nicht geändert.
Dazu kam eine seltsame Besonderheit. Die Gesellschaft Deutsche Post AG war nicht nur Holding für den Konzern, sondern zugleich operativ zuständig für das deutsche Brief- und Paketgeschäft: ein Zwitter zwischen Holding eines globalen Unternehmens und deutscher Landesgesellschaft. Auch das beendet Vorstandschef Meyer nun. Die DHL AG ist die weltweite Muttergesellschaft in Bonn, und das hiesige Brief- und Paketgeschäft erhält eine eigene Gesellschaft, so wie die anderen vier Sparten. Der Name für die deutsche Landesgesellschaft wird vielen bekannt vorkommen: Deutsche Post AG. Nur steht dieser Traditionsname eben nicht mehr für die globale Holding an der Spitze, sondern einfach für eine von fünf Sparten.
Die Portoerhöhungen reichen dem Chef nicht
Und diese Sparte kämpft mit Problemen. Zwar wächst das Paketgeschäft, aber die Deutschen verschicken immer weniger Briefe und erledigen dafür mehr per E-Mail oder im Internet. Zugleich ist DHL als sogenannter Universaldienstleister verpflichtet, auch in abgelegenen Dörfern regelmäßig Kästen zu leeren und Sendungen zuzustellen. Das ist teuer. Portoerhöhungen muss sich der Konzern von der Bundesnetzagentur als Regulierer genehmigen lassen. Meyer, der DHL seit drei Jahren führt, beklagt, die gebilligten Erhöhungen fielen zu mickrig aus.
Investoren und Analysten werfen daher regelmäßig die Frage auf, ob DHL nicht ohne das deutsche Traditionsgeschäft besser dastünde. Bei der Hauptversammlung im Mai wollten Aktionäre von Meyer wissen, ob die Tatsache, dass dieses Geschäft nun eine eigene Gesellschaft bekomme, so wie die anderen vier Sparten, ein erster Schritt zum Verkauf sei. Der Vorstandschef wies das zurück: „Wir glauben, dass wir weiter der beste Eigentümer für das deutsche Post- und Paketgeschäft sind.“
Auch die Umbenennung der Muttergesellschaft ist nicht unumstritten. Der Münchner SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff moniert, es sei „schwer verständlich und schade“, dass das Dax-Mitglied den Namen Deutsche Post nur noch hierzulande nutzen wolle. DHL begründet den Umbau damit, dass durch die Änderungen „die historisch gewachsene rechtliche Organisation des Konzerns an die bereits gelebte Managementstruktur angepasst“ werde. Umsonst sind die Umbenennung und das Aufsetzen der neuen Struktur allerdings nicht: Meyer beziffert die Kosten auf 37 Millionen Euro.

