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DGB-Chef Sommer bestätigt:"Es wird sehr harte Einschnitte geben"

Das hat bisher nur einer vor ihm geschafft: Michael Sommer wird den Deutschen Gewerkschaftsbund für eine dritte Amtszeit führen. Doch die wird heftig werden.

Michael Sommer steht für weitere vier Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin votierten am Montag 94,1 Prozent der Delegierten für den 58-Jährigen, der damit seine dritte Amtszeit antritt.

Michael Sommer, Foto: dpa

Michael Sommer bleibt vier weitere Jahre an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

(Foto: Foto: dpa)

Sommer führte das überragende Ergebnis auf den "Kurs der parteipolitischen Unabhängigkeit" zurück. Als Stellvertreter wurden Ingrid Sehrbrock, Claus Matecki, Annelie Buntenbach und Dietmar Hexel bestätigt.

Der Kongress läuft noch bis Donnerstag. Sommer amtiert seit 2002 als Vorsitzender des Dachverbands der Gewerkschaften. Er erhielt vor vier Jahren 78 Prozent der Stimmen, bei seiner ersten Wahl im Jahr 2002 ebenfalls 94 Prozent.

Mit seiner Wiederwahl tritt er in die Fußstapfen von Heinz-Oskar Vetter (1969-1982), der als bislang einziger DGB-Chef drei Amtszeiten bestritt. Der DGB versteht sich als politischer Arm von acht Einzelgewerkschaften, unter anderem Verdi und IG Metall. Er hat derzeit knapp 6,3 Millionen Mitglieder. Gewählt wurden auch die vier Stellvertreter von Sommer.

"Das ist ein großer Erfolg"

Sehrbrock (60,7 Prozent) und Matecki (53,2 Prozent) scheiden allerdings 2013 mit ihrem 65. Geburtstag aus dem Amt aus. Bessere Ergebnisse erzielten Hexel mit 80,4 Prozent und Buntenbach mit 86,6 Prozent.

Sommer sagte, der "Kurs der parteipolitischen Unabhängigkeit" habe den DGB in die Lage versetzt, eigenständige Positionen zu entwickeln, sich zu profilieren und mit unterschiedlichen Regierungen zusammenzuarbeiten oder auch zu streiten. Dieser Kurs habe sich bewährt.

Gerade in der Krise sei es gelungen, die Gewerkschaftsbewegung wieder zu stabilisieren und nach vorne zu bringen. "Das ist ein großer Erfolg." Er habe alles getan, "den Laden zusammenzuhalten" und dies sei mit ruhiger, konsequenter Politik gelungen. Sommer fügte hinzu, falls die Satzungsänderung, die auf eine Verschlankung des DGB abzielt, auf dem Kongress beschlossen werde, sei es seine große Aufgabe, die Gewerkschaft stärker zu strukturieren und Einsparungen vorzunehmen.

"Neue Lebenserfahrungen"

Ziel sei es aber, Entlassungen und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. "Es wird sehr harte Einschnitte geben", kündigte er an. Diese würden auch die Bundesvorstandsverwaltung betreffen. Sein gutes Verhältnis zur Politik führte Sommer auf die gemeinsame Krisenerfahrung zurück. "Wir haben eine gemeinsame neue Lebenserfahrung gemacht, die wir lieber nicht hätten", erklärte er. Diese habe dazu geführt, dass man vertrauensvoller miteinander umgehe.

Zudem gebe es mehr Kräfte, die auf soziale Balance setzten und den Gewerkschaften wichtige Funktionen beimessen. "Das gilt auch für die neue SPD-Spitze, nicht nur für die Kanzlerin", sagte Sommer und betonte: "Ich habe bewusst neue SPD-Spitze gesagt."

Der Kongress, der unter dem Motto "Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität" steht, war am Sonntag von Kanzlerin Angela Merkel eröffnet worden. Insgesamt sollen 152 Anträge zu gewerkschaftlichen Themen beraten werden. Unter anderem geht es um die Erhöhung der Mindestlohnforderung um einen auf 8,50 Euro.