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Devisen und Rohstoffe:Türkische Lira verliert nach Zinsentscheid

Nach dem überraschend ausgefallenen Zinsentscheid der türkischen Zentralbank nimmt die Lira ihre Talfahrt wieder auf. Hingegen zieht der Kurs des Dollar etwas an.

Die türkische Zentralbank hat am Donnerstag entgegen der Erwartungen von Investoren vorerst auf eine weitere Zinserhöhung zur Stabilisierung der Landeswährung Lira verzichtet. Sie beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz bei 10,25 Prozent. Experten hatten mit einer Erhöhung um 1,75 Prozentpunkte gerechnet. Die Währungshüter hatten im September damit begonnen, die Zinsen zu erhöhen und damit eine lange Phase der geldpolitischen Lockerung beendet. Die Lira hat seit Jahresanfang knapp ein Viertel ihres Werts zum Dollar eingebüßt: Seit dem Sommer fällt die Devise von Rekordtief zu Rekordtief. Nach dem Zinsentscheid gab sie zum Euro um 1,7 Prozent nach. Treiber des freien Falls ist die auf zweistellige Prozentwerte gestiegene Inflationsrate. Auch die stark geschmolzenen Währungsreserven des Landes haben die Talfahrt der Lira beschleunigt. Zudem lasten Spannungen im Verhältnis zur EU und den USA sowie die Sorge über mögliche Sanktionen auf der Währung des Schwellenlandes. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist ein erklärter Zinsgegner. Er hatte die vorangegangenen Lockerungen der Notenbank maßgeblich mit angestoßen und sich davon mehr Anschubhilfe für die Wirtschaft erhofft.

Im Vergleich zum Dollar gab der Euro einen Teil seiner jüngsten Gewinne ab und notierte ein halbes Prozent tiefer bei 1,1814 Dollar. Das Hin und Her zwischen Demokraten und Republikanern über ein neues US-Konjunkturpaket scheinen die Investoren langsam satt zu haben, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf sichere Häfen wie den Dollar. Im Gegenzug verbilligte sich Gold um 1,3 Prozent auf 1899 Dollar je Feinunze, weil die Aufwertung der US-Währung das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht. Gleichzeitig erholten sich die Ölpreise wieder etwas von ihrem gut dreiprozentigen Kursrutsch am Mittwoch.

© SZ vom 23.10.2020 / SZ, Reuters
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