Devisen und Rohstoffe Rohöl kostet deutlich weniger

Die Sorgen vor einer möglichen Ölschwemme drücken die Preise für Rohöl kräftig nach unten. Am Devisenmarkt zieht das Pfund Sterling etwas an.

Spekulationen von Anlegern auf ein weltweites Überangebot an Rohöl haben die Preise für den Rohstoff am Dienstag belastet. Ein Fass der Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um mehr als fünf Prozent auf 56,26 Dollar und damit auf den tiefsten seit 14 Monaten. Der Preis für US-Leichtöl WTI sackte sogar um mehr als sieben Prozent auf 46,30 Dollar ab. Bei den Investoren steige die Sorge, dass die vom Opec-Kartell geplanten Produktionskürzungen nicht die gewünschte Wirkung erzielten, sagte Analyst Benjamin Lu Jiaxuan vom Brokerhaus Phillip Futures. Hinzu komme die Furcht vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung. Anfang Oktober hatte ein Barrel Brent-Öl noch deutlich mehr als 80 Dollar gekostet. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und weitere Staaten wie Russland, die nicht Mitglieder der Opec sind, haben sich auf eine Produktionsdrosselung um 1,2 Millionen Barrel pro Tag ab 2019 verständigt. Die Fördermengen waren zuletzt deutlich gestiegen, wozu auch der Fracking-Boom in den USA beitrug.

Die Aussicht auf eine neue Brexit-Abstimmung des britischen Parlaments im Januar gab dem Pfund Sterling Auftrieb. Außerdem kam Unterstützung vom vergleichsweise schwachen Dollar. Das Pfund verteuerte sich in der Spitze um ein halbes Prozent auf 1,2705 Dollar. Die britische Premierministerin Theresa May stellte die verschobene Abstimmung im Parlament über die Brexit-Vereinbarung mit der Europäischen Union für die dritte Januarwoche in Aussicht. Außerdem schloss sie eine zweite Volksbefragung über den Austritt Großbritanniens aus der EU aus. "Einige mögen argumentieren, dass das fehlgeschlagene parteiinterne Misstrauensvotum gegen May die Unsicherheit ein Stück verringert hat", sagte Commerzbank-Devisenanalystin Thu Lan Nguyen. Das ändere aber nichts an den Wahrscheinlichkeiten, ob es zu einem geordneten oder ungeordneten Brexit kommt.