Devisen und Rohstoffe:Euro so billig wie vor 20 Jahren

Lesezeit: 1 min

Die Risiken für das Wirtschaftswachstum nehmen deutlich zu. Die Anleger flüchten in den Dollar und werten den Euro stark ab. Am Rohstoffmarkt sinkt der Ölpreis deutlich.

Der Euro setzt seine Talfahrt der vergangenen Monate in hohem Tempo fort. Am Dienstag fiel die Gemeinschaftswährung zum Dollar auf den tiefsten Stand seit fast 20 Jahren. Im Tief kostete ein Euro 1,0248 Dollar und damit so wenig wie zuletzt am Jahresende 2002. Der Euro wird schon seit einiger Zeit von der teils sehr trüben Stimmung an den internationalen Finanzmärkten belastet. Im Gegensatz zum Euro profitiert der Dollar, da er von vielen Anlegern nicht nur als sichere, sondern aufgrund der Größe des US-Finanzmarkts auch als sehr liquide Anlageform geschätzt wird. Ein zentrales Argument für den schwachen Euro lautet, dass Europa wesentlich stärker von den Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine betroffen sei als die USA. Als entscheidender Grund gilt die hohe Abhängigkeit vieler europäischer Länder von russischen Rohstoffen wie Erdöl oder Erdgas. Am Dienstag stieg der europäische Erdgaspreis aus Angst vor zunehmenden Engpässen zeitweise um neun Prozent. Ein weiterer Grund für die Euro-Schwäche ist, dass viele Notenbanken wesentlich entschlossener auf die hohe Inflation reagieren als die EZB. Während etwa die US-Notenbank Fed ihren Leitzins schon mehrfach und deutlich angehoben hat, hat sich die EZB bisher nur zu einer Ankündigung durchringen können.

Der Ölpreis fiel stark. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um mehr als neun Prozent auf 103,03 Dollar je Barrel (159 Liter). Bundesanleihen waren gefragt, wodurch die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,184 Prozent sank. Die "Antikrisen-Währung" Gold konnte von der aktuellen Gemengelage aber nicht profitieren und verbilligte sich um 2,2 Prozent auf 1767 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). "Zwar gilt das Edelmetall als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. "Die Zinserhöhungen der Notenbanken schmälern aber seine Attraktivität, weil es keine Zinsen abwirft."

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB