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Devisen und Rohstoffe:Erdoğan-Aussage setzt  Lira unter Druck

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezichtigt Kritiker des Verkaufs von Devisenreserven durch die Zentralbank des Landes des Verrats. Die türkische Lira gibt daraufhin nach.

In Reaktion auf Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist die türkische Lira am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit einer Woche gefallen. Der Dollar verteuert sich im Gegenzug um 1,2 Prozent auf 8,2056 Lira, der Euro zog um ein Prozent auf 9,8638 Lira an. Erdoğan bezichtigte Kritiker eines Verkaufs von Devisenreserven durch die Zentralbank, des Verrats. Die politische Kampagne der Opposition sei ein "offener Verrat am türkischen Volk", sagte Erdoğan am Mittwoch in einer Rede vor Mitgliedern seiner regierenden AK-Partei. Die wichtigste Oppositionspartei hat in den vergangenen Wochen Aufklärung darüber gefordert, was mit geschätzten 128 Milliarden Dollar an Devisenverkäufen über die staatlichen Banken in den Jahren 2019 und 2020 passiert sei. Die Veräußerungen hätten die Reserven der Zentralbank stark dezimiert.

Die drohende Verschärfung der Pandemie-Restriktionen in Indien schickte die Preise an den Ölmärkten auf Talfahrt. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um gut zwei Prozent auf 65,04 Dollar je Barrel (159 Liter), während US-Leichtöl der Sorte WTI mit 61,01 Dollar je Fass 2,7 Prozent weniger kostete als am Vortag. "Indien zählt mit circa 4,5 Millionen Barrel pro Tag zu den weltweit führenden Ölimporteuren", sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Einige Investoren nahmen daher wieder Kurs auf "sichere Häfen", zu denen auch der Dollar zählt. Im Gegenzug gab der Euro um 0,2 Prozent auf 1,2002 Dollar nach. Auch zu anderen wichtigen Währungen zog die US-Devise an. Die "Antikrisenwährung" Gold gewann gut ein Prozent auf 1797 Dollar je Feinunze. Der Goldpreis wurde zudem von zuletzt leicht schwächelnden Aktienmärkten und fallenden Renditen bei den US-Staatsanleihen gestützt. So rentierten zehnjährige Staatstitel der USA seit Mitte April unter 1,6 Prozent. Das erhöht die Attraktivität von Gold, auf das keine Zinsen gezahlt werden.

© SZ vom 22.04.2021 / SZ, Reuters
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